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Foto: Sebastian Drünen

Foto: Sebastian Drünen Keith Haring konnte auch anders DasMuseumFolkwang in Essenzeigt den Pop- undStreet-Art-Künstler alspolitischen Aktivisten DassKeith HaringkeinProblemmit dermassenweiseVermarktungseinerKunst hatte, wurde für dieWahrnehmung dieser Kunstirgendwann zumProblem: DieMenschenkanntenseine bunten„Männchen“ vonT-Shirts,Postern,Buttons oder Bettwäschen.Das Museum Folkwangzeigt ihn jetztineiner coolen,großenAusstellung, durch dieman läuft wiedurch HochhausschluchtenoderClublandschaften,als politisch relevantenKünstler–undmacht nebenbei deutlich,warum derBegriff„Männchen“ für seine Figurenunangebracht ist. Wenn mangenauer hinsieht, erkenntman nämlich,dassHarings Figuren wedermännlich noch weiblich sind,Teileiner universellenFormensprache.Sie sind ausgelassen, in ihrenschwarzenRahmenentgrenzt, in größerenAnsichten verbundenmit einerVielzahlanderer Figuren, Symbole, Dinge,Ereignisse, dieein auschnitthaftes Zeit-Panorama bilden,festgehaltenvon einemrastlosen Künstler, dersichmit unbedingtemWillen hineingeworfen hatindas GeschehenseinerGegenwart: demNew York der 1980er-Jahre. Er lebtejedenTag alswäre er sein letzter. Die Selbstversklavungdes Menschen Undseine Bilder sind beiweitennicht immerfarbenfrohund optimistisch: In einemGroßformat „OhneTitel“von 1986 (fastalleder rund 200 ausgestellten Werkesindmit „OhneTitel“bezeichnet) zeichnet er in schwarzenLinien auf gelbem UntergrundinAcryl undÖlfarben auf 30 Planeein Panorama derSelbstversklavungdes Menschen: Fabelwesen,Knochengerüste,Götter, Totems,Maskenbildenein Netz ausfremdartigoderseltsam bekanntwirkendenreligiösenSymbolsystemen,zwischendenen Gruppenvon Menschenfigurenineinem Maul gefangengehaltenwerden, flehenddie Hände heben, sich an Äste klammernoderekstatischtanzen. Keith Haringwuchsinder Provinzvon Pennsylvaniaauf,gingregelmäßigzur Sonntagschule undschloss sich irgendwann einerradikaleren, evangelikalen Bewegung an,den Jesus-Freaks. MitdieserErfahrung im Rücken kamer1978 nachNew York, wo er offen seineHomosexualität auslebenkonnteund an derSchoolofVisual Arts Bekanntschaftmit Künstlern wieJean-Michel Basquiat machte, derals einerder ersten Schwarzeneinen Durchbruch in dervon Weißen dominiertenKunstwelt schaffte. Haringerkannte,wie manipulativ Glaubenssysteme undihre Symboleseinkonnten undsetztesie zunehmend in zynischer Weiseein. Er erkannte dierassistischen undpatriarchalen Grundfestender Gesellschaft,inder er lebte undschuf mitseinenikonischen, geschlechtslosenFiguren einradikal inklusiveseigenes Symbolsystem.ErnotierteinseinemTagebuch: „Ich binstolz darauf,schwul zu sein.Ich bin stolzauf meineFreunde undLiebhaber jeder Hautfarbe. IchschämemichmeinerAhnen.Ich binnicht wiesie.“ Harings Atelierwar deröffentlicheRaum. Er bemalteHäuserwände,brachteZeutungscollagen aufkopierten ZettelninUmlauf, aufdenen zum Beispiel diesefiktive Schlagzeilestand:„Reagan Slain By Hero Cop“ („Reagan vonheldenhaftem Polizistenerschlagen“). Berühmt wurden seine Subway Drawings:InderNew Yorker U-Bahn wurden Werbetafelnohneaktuelles Plakat schwarzüberklebt.Diese schwarzenRahmen bemalteder Künstlertausendfach mitweißer Kreide. Dasserinden1980er-Jahren so intensivlebte undmanisch arbeitete lagauch daran, dass er zu dieser Zeit dieschlimmen Auswirkungendes HI-Virus erkannte:Freunde undWeggefährten erkrankten undstarben an AIDS under ahnte,dasserselbsterkranken würde: „Wenn es mich nichttreffen würde,dann keinen.“ Er engagiertesichinderGruppeACT UP,umAIDS bekannterzumachen, warb fürSafer Sex, malte 1988 zehn Bilder,die dasVirus als eine Artbösartiges, schwarzesSpermadarstellen,das die Menschheit geißeltund schließlichübersie obsiegt. MaxFlorian Kühlem Keith Haring:bis 29.11. Museum Folkwang,Essen; Zeitgleich:die Schau„Rettet dieLiebe“mit- Plakaten gegen AIDS;museum-folkwang.de;

KUNST I M R UHRGEBIET DieLudwiggalerie Oberhausen widmet sich bis Januar2021dem Wirken des Kinderbuchautors OtfriedPreußler und seiner Illustratoren. :©by Thienemann in der Thienemann Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart Kultige Illustrationen „Auf Burg Eulenstein hauste seit uraltenZeiten einkleines Gespenst.Eswar einesjener harmlosenkleinen Nachtgespenster, dieniemanden etwaszuleidetun,außer manärgertsie“, beginnt „Das kleine Gespenst“von Otfried Preußler, das1966veröffentlichtwurde.Zudiesem Zeitpunkt warder KinderbuchautorPreußlerbereitseinebekannte Größe,denn„Derkleine Wassermann“(1956),„DiekleineHexe“(1957) oder „Der Räuber Hotzenplotz“(1962)hatten schonlängstdas Lichtder literarischen Welt entdecktund beflügelten diePhantasie vonkleinenund großen Lesern.Seitden 1950er Jahren wurdeder PädagogePreußlersozudem bedeutendstenund einflussreichsten Kinder- undJugendbuchautorendes deutschsprachigen Raums. BeiseinemTod im Jahr 2013 veröffentlichte er 32 Bücher,die insgesamt in 55 Sprachenübersetzt wurden undeineGesamtauflage von50Millionen Exemplarenhaben. Räuber Hotzenplotz,Krabatund die kleine Hexe Doch waswären diegroßenErzählungenohne dieBilder, welchedie Geschichtenund Figuren zumLeben erwecken?Daher beleuchtet die LudwiggalerieOberhausen erstmals dasWirken OtfriedPreußlers undseinerIllustratoren, die denBüchern durch ihre eindringlichen Bilder zu großem Erfolg verholfenhaben.Über300 originale Zeichnungensowie Filmrequisiten,Buchausgabenund Fotografienermöglichen einen umfangreichenÜberblick über dieses Zusammenspiel. Vertretensindzum Beispiel dieIllustrationen vonF.J.Trippfür denRäuberHotzenplotz oder dieholzschnitthaften Sepia-Zeichnungen,die Herbert Holzingfur „Krabat“ erschaffen hat. DieKünstlerin WinnieGebhardt hatwiederumder kleinenHexe,aberauch des kleinenWassermannsein unverwechselbares Aussehen verliehen.Mehrals 50 ihreroriginalen Tuschezeichnungenhat derThienemann-EsslingerVerlagaus seinem Archiv für dieAusstellung bereitgestellt. DieNeuillustrationen derKlassikerdurch Daniel Napp,Thorsten Saleina undAnnetteSwoboda sind genausovertreten wiedie frühen Zeichnungen. Auch selten gezeigte Originalzeichnungen zu „Hörbe“, dieOtfried Preußler selbst angefertigthat,sindzusehen.Für Preußler-Fans sicherlich einMuss. sr Räuber Hotzenplotz, Krabat undDie kleine Hexe:Otfried Preußler–Figurenschöpfer undGeschichtenerzähler: bis10. Januar2012, Ludwiggalerie,Oberhausen; ludwiggalerie.de 31

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