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Backmagazin

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Ommas Lieblingsapfelkuchen, klassische Schwarzwälderkirsch oder vegane Cupcakes? Wir von coolibri wollten wissen, was der Pott backt. Deshalb begaben wir uns auf die Suche nach Back-Rezepten aus den kreativsten Küchen des Ruhrgebiets und haben unsere Leser nach ihren Lieblingsbackwerken gefragt. Aus all den Einsendungen haben wir die 18 besten Rezepte in unserem ersten „Lust auf Backen“-Magazin versammelt.

I N T E R V I E W I N T

I N T E R V I E W I N T E R V I E W Eine überlebenswichtige Diät Josefines Rezept für Easy-peasy Brot Zöliakie, besser bekannt als Glutenunverträglichkeit, ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die zu einer Unverträglichkeit von Speisen führt, die das Klebereiweiß Gluten enthalten. Besagtes findet sich vor allem in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer. Etwa einer aus hundert Menschen verträgt kein Gluten, bis zu 90 Prozent der Betroffenen spüren davon aber kaum etwas. Anders sieht es für die 37-jährige Bochumerin Josefine Wagner aus, für die Gluten wie Gift wirkt. Auf ihrem Blog josiesglutopia.blogspot.de und über Facebook berichtet sie von ihren Erfahrungen, stellt glutenfreie Rezepte vor und gibt Tipps für Betroffene. Uns erzählt sie von ihrem Weg bis zur Diagnose, von gefährlichen Glutenunfällen und warum Humor überlebenswichtig ist. „Man kann vieles nicht ändern, aber man kann immer seine eigene Einstellung und seinen eigenen Umgang beeinflussen.“ Wie war dein Leben vor der Diagnose? Bevor ich vor zweieinhalb Jahren die Diagnose bekam, hatte ich jahrelang komische Symptome. Ich hatte krasse Kreislaufprobleme, starke Probleme mit den Nebenhöhlen, hatte deshalb sogar eine OP und habe irgendwann aufgehört zu frühstücken, weil es mir davon oft so schlecht ging.. Zusätzlich zur Glutenunverträglichkeit leide ich auch an Morbus Crohn, weshalb ich jahrelang mit Darmproblemen von Arzt zu Arzt geschickt wurde – ohne Lösung. Irgendwann fühlt man sich da schon als Psychofall abgestempelt. Als es mir aber irgendwann nur noch schlecht ging und ich auch schon sehr viel abgenommen hatte, bin ich aus eigener Initiative zur Darmspieglung gegangen, kam von da aus ins Krankenhaus und hatte schließlich die Diagnose: Zöliakie und Morbus Crohn. Wie bist du dann vorgegangen – wie verlief die Umstellung? Als ich aus dem Krankenhaus kam, habe ich erst mal meine Küche grundgereinigt, Schneidebretter weggeschmissen, Handrührgeräte weggegeben und so weiter. Dann bin ich Mitglied in der Deutschen Zöliakiegesellschaft geworden, wo ich viel hilfreiches Infomaterial bekommen habe. Da ist mir auch erst so richtig klar geworden, dass ich die glutenfreie Diät ganz streng und lebenslänglich einhalten muss. Seitdem habe ich nichts mehr mit Gluten im Haus, mein Freund hat sich da auch an mich angepasst und ich habe versucht, mir alles selber beizubringen. Und auch wenn meine ersten Backversuche kläglich scheiterten, habe ich im Internet super Infos und Foren zum Austausch gefunden. So probiert man sich dann durch und merkt mit der Zeit, was hilft und was nicht. Was hat sich dann verändert? Die Probleme mit den Nebenhöhlen und dem Kreislauf waren ganz schnell nach der Umstellung verschwunden. Durch meine genauere Beschäftigung mit meiner Ernährung wurde dann auch noch eine Fruktoseintoleranz festgestellt – die ist dazugekommen, weil mein Darm so geschädigt war. Generell habe ich realisiert, dass meine Diät nicht Teil eines Gesundheitshypes, sondern für mich überlebenswichtig ist. Wie beeinflusst die Zöliakie deinen Alltag? Mein Alltag ist mit einer gewissen Logistik verbunden. Spontanes Essengehen ist risikobehaftet, ich koche sonntags große Portionen für die ganze Woche vor. Inzwischen habe ich aber auch für alle Gelegenheiten etwas Tiefgekühltes, für spontane Gelüste oder wenn ich etwas zu einer Feier mitbringen will. Ich habe festgestellt, dass wenn man frisch kocht und gewillt ist, viel auszuprobieren, man sich gut einstellen kann. Ich muss aber auch zugeben, dass ich ab und zu einem Croissant nachtrauere – da träume ich manchmal von, aber ansonsten habe ich den Geschmack der meisten glutenhaltigen Lebensmittel so gut wie vergessen. Wie gut kann man glutenfrei im normalen Supermarkt einkaufen? Gar kein Problem, wenn man sich an frische Lebensmittel hält. Gemüse, Kartoffeln, Reis und Fleisch in allen Variationen klappen super. Bei letzterem muss man nur auf die Gewürze achten. In Bochum sind aber meiner Erfahrung nach die Metzger alle super informiert, haben Allergielisten und fragen nochmal extra nach. Die Leute reden immer von Hamburg oder Berlin, aber ich muss sagen, in Bochum haben wir es echt super getroffen! Auch beim Auswärts-Essen? Ja, dafür habe ich auf meinem Blog eine Liste mit empfehlenswerten Restaurants. Die Suppenfabrik ist zum Beispiel super fürs schnelle Essen, die zeichnen alles aus, was Gluten hat. Auch das Bratwursthaus und Max Frituur sind klasse, für asiatisches Essen empfehle ich Best Friends und Nhystar im Bermuda3Eck, für Burger gehe ich zu Blondies, für Eis zu I Am Love im Ehrenfeld. Etwas gehobener ist das Franz Ferdinand am Stadtpark – das ganze Restaurant wurde in einer Fortbildung geschult. Was passiert, wenn du doch Gluten isst – also einen Glutenunfall hast? Bisher hatte ich drei Glutenunfälle, zwei zu Hause und einen auswärts. Das haut mich dann echt um, ich merke es zwei bis drei Wochen lang. In den ersten Tagen ist es richtig krass, ich bin ganz wackelig auf den Beinen, habe starken Herzschlag und fühle mich einfach krank. Nach einer Weile wird es besser, aber bis ich wieder richtig fit bin, dauert es wie gesagt bis zu drei Wochen. Mit was für Reaktionen auf deine Lebensmittelunverträglichkeit wirst du im Zutaten Alltag konfrontiert? Es gibt Leute, die verstehen das noch nicht, die meisten sind aber total rück- 55 g Leinsamen sichtsvoll. Wenn man ausgeht, passiert es auch schon mal, dass ein Kellner 45 g Chiasamen sagt „Ach Gluten, das ist doch das mit der Milch!“ Ich habe auch schon mal ein 400 g Nüsse und Kerne glutenfreies Gericht auf einer Scheibe Brot serviert bekommen. Am Anfang 25 g Flohsamenschalen war ich noch sehr irritiert davon, mich jedes Mal zu erklären, inzwischen weiß 2 EL Hanfmehl ich aber, dass die Leute da sehr lernwillig sind. 2 EL Olivenöl 1 TL Salz Auf dem Blog sprichst du unverblümt über Tabuthemen wie Toilettengang und 6 mittelgroße Eier Darmprobleme. Warum ist es dir wichtig, damit offen umzugehen? 140-160 ml Wasser Als ich mit dem Blog angefangen habe, habe ich mir überlegt, was ich schrei- 1 El Ahornsirup ben soll und was ich selber gerne lesen würde. Gerade aus dem ganzen Bereich rund um die Toilette erfährt man von anderen sehr wenig. Also habe ich Anleitung mir gedacht: Es bringt den Leuten nichts, wenn man anfängt zu Schweigen, wenn es ans Eingemachte geht. Wenn meine Blogposts jemandem etwas Zuerst den Backofen auf 160°C vorheizen. Dann alle bringen sollen, muss ich auch ehrlich über alles reden. Zutaten gut miteinander verrühren, so dass der Teig feucht, aber nicht zu flüssig ist. Bei der Nussmi- Deinen Körper nennst du liebevoll „defekt“ und das du ihn gerne umtauschen schung habe ich übrigens grob gemahlene Hasel- würdest. Wieso dieser Humor bei einer so ernsten Sache? und Walnüsse mit Kürbis-, Sonnenblumen- und Cas- Ich glaube, dass Humor etwas ganz wichtiges im Umgang mit der Krankheit hewkernen genommen. Und anstatt Ahornsirup las- ist. Wegen des Morbus Krohn hängt immer das Damoklesschwert einer sen sich auch gut Zuckerrübensirup oder Reissirup Darm-OP über mir, ich falle oft auf der Arbeit aus, fühle mich häufig krank – verwenden. wenn ich da auch noch meinen Humor verlieren würde, würde ich auch mei- Den Teig für 30 bis 40 Minuten ruhen lassen, damit nen Umgang mit der Krankheit komplett verlieren. Es ist ja wie es ist, man Lein- und Chiasamen, sowie die Flohsamenschalen kann vieles nicht ändern, aber man kann immer seine eigene Einstellung und quellen können. Anschließend die Mischung in eine seinen eigenen Umgang beeinflussen. mit Backpapier ausgelegte Form gießen und 60 Minuten bei 160°C backen. Achtung: Danach nicht so- Was wäre dein wichtigster Ratschlag, für andere Menschen, denen gerade eifort aus der Form nehmen, sondern erst ein wenig ne Zöliakie diagnostiziert wurde? abkühlen lassen und auch nicht zu früh probieren, Das Wichtigste ist, die Ruhe zu bewahren und sich dann gut zu informieren denn das Brot lässt sich abgekühlt besser schnei- und gut auf sich selber zu hören. Ich lese so oft Dinge wie „Mich nimmt keiner den und es schmeckt auch kalt wirklich viel besser ernst, mir wird immer wieder was mit Gluten untergejubelt, ich muss mich im- als warm. Perfekt dazu passen Ziegenkäse, Feigenmer rechtfertigen.“ Mein Ratschlag: Besinnt euch auf euch selbst. Es ist euer senf, Avocado, Rührei und so weiter. Körper, eure Gesundheit, die hat man nur einmal. Mir hilft auch Yoga und Meditation, um zu mir selbst zu finden und um meine innere Stärke zu finden. Lukas Vering 14 15 14 15

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