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August 2018 - coolibri Düsseldorf, Wuppertal

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BLICKPUNKT SPORT D Ü S

BLICKPUNKT SPORT D Ü S S E L D O R F Fitness First? Rückenleiden durchFitness-Apps: Anna Scheer Fotos (2): Anna Schheer Sixpack,definierteArme, schlankeBeine –immer mehrMenscheneifernden Schönheitsidealen hinterher, dieinden Medien verbreitet werden. Der scheinbar einfachste Weg: Sport.Überall im Netz kursierenVideos, in denen Fitnesstrainer –und solche, die es gernewären –Tippsgeben, dieschnellzur Wunschfigur verhelfen sollen.Aber unangeleitetes Trainingkannzuschweren körperlichenSchäden führen.Tossia Cormansprach mitAnna Scheer, diediese schmerzhafte Erfahrung machen musste. „Ich binaufgewachtund konnte meineBeine nichtmehrspüren“,erzähltAnna. Die19-Jährige treibt seit ihrerKindheitSport.„Ichhabe schon immer Ballettgemacht,michvielbewegt –dassdas irgendwann nichtmehrgeht, daran habeich niegedacht.“ Fast einJahrvollerKrankenhaus-und Arztbesuchehat siehintersich, zuletztwar siedreiMonateineiner Reha-Klinik. DerWeg in dieseMisereist eigentlich schnellerzählt:Auf Instagramund in anderensozialen Netzwerken zeichnet sich seit längeremder Trendab, dass selbsternannte „Fitness-Experten“ in kurzen Video-Beiträgen ihre Sport-Übungenzeigen.Unangeleitetund ungeprüft.„Da siehtman dann so einProfil, denkt sich:Soein Sixpack hätte ichauch gern,und macht die Übungeneinfachnach.“ 8 „Zuerst hatesfunktioniert“ „Die Übungensindschon effektiv, ichhatte irgendwann ausgeprägteBauchmuskeln,aber wasdas für meinen Rücken bedeutet, habeich erst später gemerkt“, so Anna.Sie bekam Schmerzen, konnte dieseabernicht einordnen, machteeinfachnochmehrSport.Dasie dasEhlers-Danos-Syndrom hat, eine Bindegewebsschwäche,die es erlaubt, dieGelenke zu überdehnen,waren auch anspruchsvolle Übungenfür sienie ein Problem. „Ich dachte lange, es seinormal, dass ichmeine Arme auskugelnkann–jetzt weiß ich, dass es nicht so ist.“Ohneeinen professionellenTrainer an ihrerSeite,der ihr hättesagen können,dasssie dabeiwar,ihremKörpermassivzuschaden, verließsie sich ganz aufdie vermeintlichen Experten aus demNetz. „Ich dachte:Das isteine Fitness-Seite,die werden schonwissen, wiees geht, undhabeeinfachalles nachgemacht.“ Ob eine Übungüberhaupt demeigenen TrainingsundFitnesslevelangemessenist,habedie Schülerin anhandder oftnur sekundenlangen Videoskaumeinschätzen können: „Esgibtkeine Kategorien, wieAnfängeroderFortgeschrittene.“ Am Morgen ihresAbiballs bekamsie die Quittung –sie konnte ihre Beinenicht mehr bewegen, hattestarkeSchmerzen.Der Arzt in der Notaufnahme sagteihr,sie seigestresst, dass sieSchmerzen habe, käme vompsychischen Druck,das Abitur seieineaufregende Zeit.„Aber ichwussteja, dass irgendwasnicht stimmt“,erzählt Anna,„daswar eigentlich dasSchlimmste, dass ichpermanent dasGefühlhatte,nicht ernstgenommenzuwerden.“ Nur nochWassergymnastik Nach einerOdyssee durch verschiedene Arztpraxenkam dieDiagnose: ChronischerBandscheibenvorfall.IhrenTraum vonder Schauspielausbildung mussteAnnabegraben. „Das ist eine sehr körperlicheAusbildung, mitTanzund Bewegung, daskann ichalles nichtmehrmachen.“ EinMedizinstudium istjetzt ihrneues Ziel:„Sportmedizin wäre toll –dakann ichdann anderenhelfen,die in derselbenSituationsind wieich.“Dassder Bandscheibenvorfall sie wahrscheinlich ihrLeben lang einschränken wird,ist ihr bewusst, trotzdem macht siedas Bestedaraus:„Nach derSchmerztherapie in der Reha geht es mir jetzt wieder ganz gut,ich musseinfachauf mich aufpassen,“ erzählt sie. Natürlichhätte siesichauch vorher Hilfeund Ratsuchenkönnen,aberihre Generation seiso sehr darangewöhnt, dass sich alles in densozialen Netzwerken abspiele, dass siefastblind darauf vetraute,alles richtigzumachen.„Ich hoffe, dass sich in ZukunftandieserStelleetwasändertund dieVerantwortlichen auch daran denken,dasssie Schadenanrichten können.“Ihre Lektionhat Anna aufjeden Fall gelernt: „Ich machejetzt nurnochWassergymnastik–angeleitet“, erzähltsie miteinem Lachen.

BLICKPUNKT S PORT Anna Rogalev Personal Trainerin beiJustHealthDüsseldorf Hast du Erfahrungmit Fitness-Apps oder Training-Videos in densozialenMedien? Viele Menschen störtes, an überfüllten Kursen teilzunehmenoderimStudio an denGeräten zu warten –daist es verständlich, dass Fitness-Apps eine leichte Alternativefür zu Hausesind. Dafür muss manvielDisziplin besitzen,damitdas Trainingnicht nurseinenZweck erfüllt, sondern auch in einemregelmäßigen Zeitraum fortgeführt wird. Eine Apphilft, Zeit zu sparenund sich nichtextraauf denWeg insFitnessstudio machen zu müssen.Auch ichmöchte als Personal Trainerin in dernächstenZeitmehrmit sozialen Netzwerken arbeiten. Allerdingssollteein solchesTrainingimmer begleitetsein, um sicher zu gehen, dass alles korrekt ausgeführtwird. Wo liegen Gefahren,wennjunge Menschen nuranhandvon Videos oder Appsselbstständigtrainieren ? Wenn ich, auch privat, im Fitnessstudio bin,sehe ichoft,dassLeute die Übungennicht korrekt ausführen–ichdenke,jeder hatseinbesonderes Fitness-Vorbild oder einenbestimmten Trainingsansatz,den er odersie verfolgt.Ich gebe dann manchmal (auch ungefragt) Tipps, da dieGefahr gegebenist,dassman mitder unkorrekten Ausführung derÜbungen dem Körpereherschadet,als etwasGutes tut. In vielen StudiosgibtesjaTrainer, diemit Ratund Tatparat stehen.Das sollte manauf jedenFall nutzen. Wasist dein Trainingsansatz?Was würdestduempfehlen? FürAnfänger empfehle ich, miteinem leichten Traininganzufangenund dieTrainingsintensität mitder Zeit zu steigern. Mansolltedaraufachten, denganzenKörperzutrainieren undfür Ausgeglichenheit im Trainingsplan zu sorgen. Den Spieltrieb der User wecken Wo liegen potenzielleGefahrenbei derVerwendungvon Fitness-Apps? Grundsätzlich scheintdie Nutzungvon Smartphonesals Personal Trainer eine ausgezeichneteMöglichkeitzusein, eine großeAnzahlvon Menschenzuerreichen. 2018 nutzen etwa 57 Millionen MenscheninDeutschland einSmartphone.Eineunüberschaubar großeZahlvon Fitness- und Gesundheits-Apps istverfügbar. EinSmartphone kann aber einengut ausgebildeten Personal Trainer nichtersetzen. Einmenschlicher Trainer kommuniziertintensivund analysiert permanentmit allen Sinnen,passt Trainingsprogrammeimmer wieder an dasaktuelleLeistungsniveauund die erreichteLeistungsentwicklunganund achtet insbesondere aufeinekorrekteAusführung vonBewegungen.Somit dürfte dasRisikofür Fehl- oder Überbelastungengeringersein, als ohne dieseRückmeldungen. Wiebeeinflussen sozialeNetzwerkedas Körperbildvon Jugendlichen? SozialeNetzwerke haben zweifelsohneviele positive Effekteund bieten einenRaum, in demBeziehungen aufgebaut, umgestaltetund dieeigene Identitätgeformt werden.JedeStundewerden10Millionen neue Fotosallein beiFacebookhochgeladen.Einekürzlicherschienene Studie vonder RoyalSociety forPublicHealthinGroßbritannien (#StatusOfMind)warnt aber auch vorden Folgen vonsozialenNetzwerken fürdie Gesundheit.9 von10weiblichenTeenagern gebenan, mitihrem Körperunzufrieden zu Foto: Anastasia Kieseleva Max Wenke Trainer undStudioleiterbei terra-sports Düsseldorf Hast du Erfahrungmit Fitness-Apps oder Training-Videos in densozialenMedien? Mangehtnatürlich mitder Zeit undarbeitetmit densozialenMedien. Dabeientdeckeich sehr viel Eigeninszenierungund denSchreinachStatus undAnerkennung.DochesgibtAusnahmen,Personal Trainer,die dieseKanäleprofessionell nutzen undWertdarauflegen, ihre Kundenmöglichst individuell zu betreuen. Wo liegen Gefahren,wennjunge Menschen nuranhandvon Videos oder Appsselbstständigtrainieren ? Gerade TrainingsanfängernoderMenschen, dieeinen gesunden, ausgewogenenLebensstilverfolgen möchten undMotivationsschwierigkeitenhaben, solltenpersönlicheBetreuung in Anspruch zu nehmen.Dennletztendlichkann dirnur einechterSchuh einenTritt in denHintern verpassen. Wasist dein Trainingsansatz ?Was würdest du empfehlen? Ichbevorzuge funktionelles undpräventivesTraining, dashilft, denAlltag sowohlphysisch als auch psychischzumeistern. Währenddes Sportstudiumsarbeitete ichbereits als Personal Fitnesstrainer.Bis heute istdies meineFachkompetenz.Spezialisierthabeich mich in denBereichen FunktionellesTrainingund Muskelaufbau.Durch dieseArt desTrainingsbin ich an terra-sports bzw. EMS-Traininggeraten.Diese Methodefördert gelenkschonendden Muskelaufbau.Dubeschäftigst dich zu 100% mitdeinem Körper, lernst Muskelfasern- undgruppen an dirkennen, dieduvorher nichtkanntest. DerBewegungsfreiraum fördertdie Beweglichkeit, im GegensatzzuisoliertemTraininganden Geräten.Das EMS-Training isteine guteErgänzungzueiner bewusstenErnährung undregelmäßigemAusdauertraining. sein.Durch dieNutzungsozialerNetze wird daseigeneKörperbildnochweiter negativbeeinflusst,unter anderem, weil vieleder hochgeladenenFotos bearbeitetsindund einenscheinbar idealenKörperzeigen,mit demandere Teenager ihreneigenen vergleichen. Eine KennzeichnungspflichtentsprechendbearbeiteterFotos scheinthierdringendangezeigt. WelcheChancenbietenFitness- Gadgets? Intelligent undwissenschaftlich begründetausgewertet gebenFitness- Gadgetsvielfältige Rückmeldungen Prof.Dr. med. PetraPlaten, Leiterin desLehrstuhls für Sportmedizinund Sporternährungander Ruhr- Universität Bochum über unterschiedlichste Körperfunktionenund -zustände.Gesundheitlich bedeutsam sind siejedochnur dann,wenndie Signaledann auch zu Verhaltensänderungenführenodereinen bereitsgesundenLebensstilfestigen. In einerSmartwatchläuftzwar dieZeit, räumlich bewegt siesichjedoch nurmit denBeinendes Users vonAnachB.Fitness-Gadgets können aber denSpieltrieb derUserweckenund damitdie Motivation zu mehr Bewegungsteigern. Foto: Judith Michaelis Foto: Sinan B O C H U M 9

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