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August 2017 - coolibri Düsseldorf und Wuppertal

THEMA Zeigen, was geht

THEMA Zeigen, was geht Street Artvor demDüsseldorferSchauspielhaus beim 40°Urban ArtFestival2015 In der ersten Etage des Kinderclubs in der Kiefernstraße wartet bereits Klaus Martin Becker. Ein paar Kinder gucken neugierig, was hier passiert. Sie nehmen gerade an einer der #leglos- Werkstätten teil. Hier wird Straßenkunst praktisch vermittelt. Es gibt wohl keinen besseren Ort als die kunterbunte Kiefernstraße, um an Urban Art heranzuführen. „Gleich kommen die größeren Kinder“, sagt Becker – und wie gerufen betritt Klaus Klinger den Raum. 2004 haben sich die beiden hier in der Straße getroffen und beschlossen, das 40° Urban Art-Festival zu initiieren. Nun startet die dritte Ausgabe. 2015 war die Veranstaltung noch am Gustaf-Gründgens- Platz verortet, diesmal geht es direkt in den Stadtteil. Nach dem Grund für den abgelegenen Platz am Kamper Acker gefragt, sagt Klinger: „Wir wollen Holthausen ein bisschen aus der Anonymität herausholen.“ Rund 1400qm Fläche werden neu gestaltet – dauerhaft. Viele Aktionen sind geplant. Neben Murals, Paste-ups, Stickern und Graffiti entsteht ein kleiner Zirkus: „Heute war ein Einradfahrer da“, erzählt Becker lachend, „das nennt man ja heute Unicycle.“ 10 Möbel aus Europaletten Der Platz ist bislang „ein bisschen problematisch“ erzählt der Künstler. Das solle sich ändern. Einerseits durch eine Aufwertung. „Aber es geht auch darum, etwas Neues zu schaffen“, so der Künstler. Generell habe Düsseldorf „überhaupt kein Händchen für Plätze, die funktionieren“. Eine positive Ausnahme sei der Fürstenplatz. So soll sich auch der Kamper Acker entwickeln. Durch urbane Kunst jeglicher Art: Im Rahmen des Festivals gibt es etwa die Möglichkeit, Möbel aus Europaletten zu bauen. Becker sagt lachend: „Vielleicht hätte man es früher Bastelstube genannt.“ Vor allem geht es aber darum, Menschen zusammenzubringen und die Düsseldorfer zum Mitmachen zu bewegen. Das gemeinsame Kreativ-Sein als Anregung, sich Gedanken über das Mitbestimmungsrecht in der Stadt zu machen. Oder wie Becker es formuliert: „Nicht abzuwarten, bis man partizipiert wird.“ Die beiden Festivalmacher kommen aus einer Zeit, in der Mitmachen und Eigeninitiative an der Tagesordnung standen. „Als ich angefangen habe zu studieren, haben sie gerade Beuys rausgeschmissen“, sagt Klinger. Es folgten Proteste und Hungerstreiks an der Kunstakademie. In den Siebzigern seien besetzte Häuser in Düsseldorf normal gewesen, erzählt er, „Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen.“ Aus dieser Zeit stammen auch die wohlbekannten Hauswände am Hellweg: Das Auge und das Ohr. Auf die Idee für künstlerische Großprojekte im öffentlichen Raum kam man unter anderem bei Gartenfesten. Gemeinsame Projekte und das Vorantreiben von Ideen standen im Fokus. „Das fällt bei der heutigen Street Art ein bisschen weg. Es ist ein Hype geworden. Aber auch anonymer. Oftmals machen Leute eine Wand und sind dann wieder weg.“ Becker meint: „Vielleicht auch aus dem Grund, erwischt zu werden.“ „Um jede Wand kämpfen“ Öffentliche Plätze zum Malen gebe es kaum. Zur Verfügung stünden oft nur Flächen von Privatpersonen. „Man muss um jede Wand kämpfen.“ sagt Klaus Klinger. Und um städtische Unterstützung: Betrug der Festival-Zuschuss 2015 noch 25 000 Euro, wurde er in diesem Jahr auf

THEMA KLIMASCHUTZ TO GO Alle Infos und News rund um die Projekte der KlimaExpo.NRW, einen Veranstaltungskalender, eine interaktive Karte sowie eine Klima-Rallye bietet die neue KlimaExpo.NRW-App. Jetzt verfügbar für iOS und Android coolibri präsentiert Foto: 40° Urban Art Festival „23 000 und ein paar Zerquetschte“ gekürzt. Generell sollte endlich einmal der städtische Etat für die Freie Szene erhöht werden, meint Klinger. Denn: „Es gibt noch ganz schön viele graue Ecken.“ Eine Wohnsiedlung mit einigen Künstlern komplett zu gestalten, könnte er sich gut vorstellen. „Es wäre schön, wenn man mal modellhaft zeigen könnte, was geht.“ Bis zur Entstehung der Hall of Fame, einer Wand, die von der Stadt zur freien Gestaltung freigegeben ist, seien zehn Jahre vergangen, erzählt Becker und sagt: „Es braucht Dinge, die es möglich machen, sich frei zu entfalten.“ Am Kamper Acker schaffen die beiden dafür zwei Wochen lang den Raum, zusammen mit Florian Langfeld, der in der evangelischen Gemeinde in Holthausen arbeitet und schon im Vorfeld die Weichen vor Ort gestellt hat. Magische Stimmung Wer beim letzten Festival dabei war, weiß um die magische Stimmung, die 2015 auf dem Gustaf-Gründgens-Platz herrschte. Als das Schauspielhaus mit Projektionen verziert wurde und der Platz ein belebter, gemeinsamer war. „Die Atmosphäre haben die Künstler und die Besucher entwickelt. Wir haben nur den Rahmen gegeben“, meint Becker. Was dort passiert, entwickelt sich oft spontan. Verschiedene Kultureinrichtungen sind mit von der Partie, das zakk und die Brause beispielsweise. In Letzterer finden bereits vorab Street Art-Ausstellungen statt. Außerdem sind eine Begehung durch Holthausen sowie eine Fahrrad-Street Art-Tour geplant. Zum zweiten Mal seit 2015 findet das Festival im Rahmen von Transurban statt. Der NRW-weite Zusammenschluss baut momentan ein Urban Art-Archiv auf. Stadtentwicklung und -gestaltung stehen hier in Düsseldorf genauso im Fokus wie in den fünf anderen Städten im Rhein-Ruhr-Gebiet, die noch bis Oktober die öffentlich zugängliche Kunst feiern und über den Stadtraum diskutieren. Auf dem Kamper Acker baut Transurban einen Container auf. Und ist damit nicht allein. Dazu gesellen sich Bauwagen und Zelte. Klinger meint: „Es wird ein kleines Dorf.“ 40° Urban Art Festival: 12.-26.8. Kamper Acker, Düsseldorf; trans-urban.de www.klimaexpo.nrw

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