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August 2016 - coolibri Ruhrgebiet

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K U N S T D O R T M U N

K U N S T D O R T M U N D Der Dortmunder Kunstverein zeigt die erste institutionelle Ausstellung des irischen Künstlers Sam Keogh in Deutschland. Der Wahl-Amsterdamer, der auf der Shortlist für die 57. Biennale in Venedig steht, ist bekannt für seine raumfüllenden, expressiven Installationen. Blick in die Ausstellung Foto: Simon Vogel Von Prunk und Tod Ausgangspunkt für Sam Keoghs Installation „Eurocopter EC135“ ist ein Tatort: Am 15. Juli 1997 wurde Modeschöpfer Gianni Versace von Andrew Cunanan in Miami Beach erschossen. Versace gründete Ende der 1970er-Jahre das Mode-Unternehmen, das berühmt für seine extravaganten Gestaltungen sowie für sein markantes Markenemblem ist: der Kopf der Medusa. Doch Keogh geht über die bloßen Fakten der Tat hinaus. In seiner Vorbereitung recherchierte er zahlreiche Perspektiven, Erzählungen und Mythen über den Vorfall: Ein Fan soll nach der Tat zur Villa „Casa Casuarina“ am Ocean Drive 1116 geeilt sein, um zum Andenken das Blut des Opfers aufzuwischen – mit einer Versace-Werbeanzeige aus der Vogue. Keogh präsentiert den Ausstellungsraum daher als Tatort: Eine Folie vor der Fensterfront verhindert die Einsicht, gleichzeitig erinnert die Folie auf dem Boden an Marmor, der in Versaces Villa zuhauf verbaut wurde. Befindet man sich auf 48 den Stufen zur Villa, wo die Tat passierte? Runde flache Zeichnungen, die sich sowohl an dem Markenemblem orientieren als auch an Lachen erinnern, liegen auf dem Boden zusammen mit zahlreichen Readymades und kleinen Skulpturen, die mal mehr und mal weniger der Tat zugeordnet werden könnten: Badeschlappen, Korallen, Schlüssel und Kaffeebecher, ein Spielzeughubschrauber, eine Tüte mit Magazinen. Gegensätze verwischen In welcher Beziehung die Dinge jedoch stehen, eröffnet das Video der Performance Keoghs: Der Künstler bewegt sich durch den Raum und sammelt ‚Dinge‘, die er ausführlich beschreibt und als Beweismittel oder Aquariumsdekoration klassifiziert. Aber gibt es einen Unterschied? Denn in der Installation sind die Gegenstände doppelt vorhanden, mal als Objekt und als Bild. Und jeder Gegenstand könnte letztendlich für beides herhalten. Was schließlich zählt, ist die Bedeutung, die Keogh ihnen gibt. Keoghs Ansatz ist es, Gegensätze zu verwischen. Am Beispiel des Versace-Mordes will er die Differenz zwischen Geschichte und Erzählung, Wahrheit und Mythos, Hoch- und Populärkultur, Tiefe und Fläche auflösen. Die Fakten stehen den Mythen gleichwertig gegenüber, wie das Artefakt dem vermeintlich Wertlosen, wie das Reale dem Digitalen. So erhalten die Zeichnungen, die einem vor Ort zu Füßen liegen, erst Tiefe, wenn sie digitalisiert, in diesem Fall fotografiert werden. Keogh spielt zudem mit dem institutionalisierten Raum, indem er sich diesen ganzheitlich aneignet und darüber hinaus die ‚Erzählung‘ ins extravagante Foyer des benachbarten Hotels Unique weiterträgt: dort, wo dann Marmor, roter Teppich, Kronleuchter und opulente Polstermöbel sowie zwei Aquarien an die Versace-Villa erinnern sollen. Stefanie Roenneke Sam Keogh – Eurocopter EC135: bis 14.8., Kunstverein Dortmund; dortmunder-kunstverein.de

K U N S T B O T T R O P Hubert Kiecol: „Morgen oder Übermorgen III“ und „Morgen oder Übermorgen“, 2007 Verfremdung des Vertrauten Der Bildhauer Hubert Kiecol gehört zu den wichtigsten nordrhein-westfälischen Künstlern und bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen Skulptur in Deutschland. Bis zum 21. August sind ausgewählte Werke erstmals im Josef Albers Museum Bottrop zu sehen. Kiecol, der seit 1993 eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf innehat, verfremdet alltägliche Formen und Materialien. Was sofort auffällt: Kiecols Arbeiten charakterisieren sich durch eine klare und präzise Sprache. Dazu trägt der Umgang mit aus der Architektur bekannten Formen wie mit den von ihm gewählten Materialien bei: sei es Holz, Stahl oder Glas. Die gezeigten Werke mögen daher an Regale oder Fensterläden erinnern, unterstützt durch die Ausstellungsarchitektur, die von Kiecol selbst entwickelt wurde: In eine Stellwand ist nebst der Skulptur eine fensterartige Öffnung eingelassen, der Besucher blickt durch diese hinaus in den grün wuchernden Skulpturengarten. Die Natur dringt weiter durch das Zwitschern der Vögel in den Raum, der plötzlich etwas wohnliches bekommt. Doch wenn Architektur mit einer Nutzbarkeit durch den Menschen einhergeht, der Gebäude und Räume belebt, sind die Konstruktionen bei Kiecol von ihrer Funktion befreit – sie sind Skulptur. So lenken seine Arbeiten die Konzentration auf die Form. Ganz im Gegensatz zu dem tatsächlichen Geländer im Raum, das ebenfalls aus Glas und Stahl besteht, aber eben ein Geländer ist. Konzentration durch Genauigkeit „Es sind einfache, alltägliche Dinge, mit denen ich umgehe. Die Arbeit ist die Umsetzung, die Form zu finden. Letztlich geht es mir um Konzentration durch Genauigkeit, die keinen Nutzen hat“, sagt Kiecol über sich und betont damit die Rolle des Schaffensprozesses. Dadurch scheinen die Skulpturen auch zu einem Ausdruck eines konzentriert subjektiven Interesses zu werden. In Bottrop werden seine Skulpturen im Untergeschoss durch acht Tische ergänzt. Mittels Collagen aus Skizzen, Fotos, Plakaten und ausgewählten Zeichnungen von Raymond Hains resümiert der Künstler sein Schaffen. Sie sind eine gute, wenn auch keine stringente Ergänzung, da der obere Raum ohne Erklärungen seine Wirkung entfaltet. sr Hubert Kiecol. WeissGlasSchwarzRot: bis 21.8., Josef Albers Museum Quadrat, Bottrop; bottrop.de Foto: © Hubert Kiecol / Foto: Werner J. Hannappel Josef Albers Museum . Quadrat Bottrop Hubert Kiecol 29.5. 21.8.2016 WeissGlasSchwarzRot Im Stadtgarten 20 46236 Bottrop Telefon 02041 29716 www.werne-strassenfestival.de www.quadrat-bottrop.de Veranstaltungstermine im Ausgabe September 2016 bis zum 17.08. • 12.00 Uhr terminator@coolibri.de Fax 02 34 / 9 37 37 - 97 49

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