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August 2016 - coolibri Düsseldorf

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M U S I K V O N H I E R

M U S I K V O N H I E R „Bier ist meine Nahrung, die Gitarre ist mein Radio.“ So charakterisiert sich Bastian Wadenpohl zum Auftakt seines ersten Studioalbums „Griesgramgrüße aus dem Gartencafé“. Im Anschluss entpuppt er sich als ebenso kratzstimmiger wie wortgewandter Dokumentar der Tristesse („Toastbrot“), der in der bitteren Reflexion über die Widersprüche des Lebens („Für mich nicht“) seinen Humor („Rentnergang“) nicht verliert. bastian-wadenpohl.de Foto: Bastian Wadenpohl Early Autumn Break Jugendliche Leichtigkeit Early Autumn Break zeigen auf ihrem Album „Farewell To The Juvenile Heart Vol. 2“, dass deutsche Muttersprachler dem Geist der Country- und Folkmusik nahe kommen können, ohne gängige Klischees zu bedienen. Mit der Natur als Inspiration, dem Streben nach individueller Freiheit als Ideal und hohem Können zaubern die Musiker um Susan Bauszat und Chris Bauer den Sommer ins Ohr. „Wir trauern nicht vermeintlich verlorener Jugend hinterher. Für uns ist sie eher ein State of Mind“, kommentiert Sängerin Susan den Albumtitel. „Ein Stück dieser Leichtigkeit und Beherztheit versuchen wir uns zu erhalten“, ergänzt Chris. Bereits mit „Wrong Ideas“ zündet das Werk höchst druckvoll und beschwingt, statt in Melancholie zu verharren. Man spürt eine Aufbruchsstimmung, die sich die Band zu eigen gemacht hat und die ein Zeichen für den Anspruch ist, sich stets selbst zu übertreffen. Die Musik ist opulent: Man hört Gitarre, Mandoline „Natur spielt für uns immer eine große Rolle als Inspirationsquelle.“ und Pedal Steel, Cello und vieles mehr. Der rote Faden ist Susans glockenhelle Stimme, gerne im Doppel mit der von Chris. „Natur spielt für uns immer eine große Rolle als Inspirationsquelle, mehr als das Urbane“, sagt Chris. „Morning Sun“ ist eine dieser Klangperlen, die mit Feldaufnahmen aus Philadelphia hinterlegt ist. „Rolling in the Roundabout“ glänzt mit fast gospelmäßigem Text: Das Gebet eines müden Reisenden, für den der Weg längst zum Ziel geworden ist, ist tief im kulturellen Erbe der USA verwurzelt und erinnert an das Traditional „Wayfaring Stranger“. Während hier Johnny Cash nachhallt, ist es Emmylou Harris in „Sweet Sanity“, wo der Doppelgesang auf die Spitze getrieben wird, wenn Susan zur eigenen Zweitstimme wird. Ebenfalls gelungen: „The L&N Don‘t Stop Here Anymore“, eine Hommage an die „Mother Of Folk“ Jean Ritchie, die zu einer wunderschönen Melodie die Moritat vom Tod einer Zechenlandschaft erzählt. Das Artwork des Künstlers Aquasixio zeigt einen Jungen mit Schultornister, der Zugvögeln hinterherblickt. Erdfarbene Töne beschwören die Atmosphäre der goldenen Stunde vor Sonnenuntergang. Eine Szene wie von Regisseur Terrence Malick erdacht. Doch dieser Film befindet sich noch in Vorproduktion – im Herzen des Hörers. Das Drehbuch schrieb das Leben, den Soundtrack Early Autumn Break. MW „Farewell To The Juvenile Heart Vol. 2“ (One Sunny Day Recordings), ab sofort zum Download unter earlyautumnbreak.bandcamp.com; facebook.com/earlyautumnbreak Foto: Early Autumn Break Die Fusion aus klassischer Jazz-Instrumentierung und Sprechgesang ist eine hohe Kunst. Fil der Protagonist beherrscht sie, wie er auf der EP „Die Verwandlung“ beweist: Staubtrockene Hip-Hop-Beats treffen in „Supermann“ auf Rhodes-Piano und Violoncello. Die textliche Suche nach dem Richtungsweiser in der Krise („Tiefschlag“) hat sich hörbar erübrigt: Hier klingt es bereits nach Jazzkantine. soundcloud.com/filderprotagonist Foto: Fil der Protagonist Das Dsama M’Butu Arkestra ist zurück: Gewohnt stilübergreifend serviert das Düsseldorfer Quartett auf „Arkestrema“ Afro-Beat („Traffica“), Funkiges („Portrait“) und jede Menge Jazz inklusive einer Hommage an Charles Mingus („Moanin’“). Während „Arada Blue“ mit sensiblen Saxofonklängen zum Träumen einlädt, ist „Metro“ als akustisches Porträt des Großstadtlebens das herausragende Stück dieser durchweg gelungenen Platte. dsama-mbutu-arkestra.de Foto: Anke Hunscha Der Sampler „Psychedelic Blueprints“ von Vibravoid beleuchtet die Jahre 2000 bis 2013 und dokumentiert den Werdegang dieser ungewöhnlichen Band in 13 Songs. Vom 2000er „Lovely Lady Deb O’Nair“ bis zum aktuellen „The Empty Sky“ erlebt der Hörer die Entwicklung von Verehrern zur Speerspitze der europäischen Psychedelic-Szene und erkennt: Der hörbare Anspruch von Mastermind Dr. Koch, zeitlose Musik zu schaffen, ist der Schlüssel zum Rockhimmel! stonedkarma.com/vibravoid Foto: Vibravoid Der doppelstimmige Frauengesang ist ein roter Faden durch das Album „Next Generation“ von The Tinktones. In japanischer („Tokiga Kureba“), italienischer („Roma“), französischer („La Lune“) und natürlich in englischer Sprache wird der Grenzbereich zwischen Chanson und Country harmonisch ausgelotet. Für das Artwork des Tonträgers zeichnet sich übrigens Lüpertz-Meisterschüler Ted Green verantwortlich. thetinktones1.bandcamp.com, MW Foto: The Tinktones

A L B E N B L U E S P I L L S D E L A S O U L F U N N Y V A N D A N N E N Lady In Gold Die aus Schweden stammenden Blues Pills sind Alleskönner, weil sie gewohnte Rock-Klischees gekonnt umschiffen – so auch auf ihrem zweiten Studioalbum. Der Song „Burned Out“ zeigt ihre einzigartige Klasse: Eine düstere Blues-Gitarre, wie sie Mick Harvey früher bei Nick Cave spielte, gibt hier den Ton an. Dazu ein fundamentaler Sound-Teppich auch swingenden Hammond-Sounds und eine treibende Rhythmik. Die Sonne in diesem Bluesrock-Planetenspiel ist die soulige Stimme von Sängerin Elin Larsson, die mal an Aretha Franklin, Inga Rumpf oder Janis Joplin erinnert. So geht Rock zum Niederknien. Nuclear Blast/Warner And The Anonymous Nobody Mit Kollegenbands wie A Tribe Called Quest und den Jungle Brothers bildete De La Soul vor einem Vierteljahrhundert die sogenannte Native Tongue Family. Das war eine Bewegung innerhalb des Raps, die sich nicht mit dicken Autos, Goldkettchen und dem Gangsta-Bitch-Nonsens auseinandersetzte, sondern Themen mit sozialen Hintergründen in den Vordergrund stellte. Nun, der ganz große Wurf ist dieses Comeback- Album vielleicht nicht, dafür ist die Hit-Dichte zu gering. Aber die bedeutende Stellung innerhalb des soulig-jazzigen Hip-Hops kann ihnen keiner nehmen. Aol Records/Rough Trade Come On Unsere Welt aus Attentaten, Naturkatastrophen und Haushaltsunfällen steht nicht im Gleichgewicht. Wie schön, wenn Funny van Dannen mit seinen ironisierenden Bemerkungen wieder alles neu justiert. König Fußball attestiert er einen Hang zur „latenten Homosexualität“ und fabuliert sehr schön zusammen: „Und auf den Rängen die halb nackten Jungs, die Bengalos, der Qualm und der Rauch. Na klar, das ist kein Darkroom, aber sich nah sein kann man so auch. Das Geheimnis von Fußball ist latente Homosexualität.“ Sein 15. Album „Come on“ ist gespickt mit vielen humorigen Seitenblicken. Einfach Funny! JKP/Warner M Y J E R U S A L E M A U G U S T I N E S A N D R E A S C H R O E D E R A Little Death Nur ein bisschen Tod? Geht das? Man kann ja auch nicht nur ein bisschen schwanger sein. Das Leben gibt für die großen Themen die Grammatik vor: entweder ganz oder gar nicht. In diesem Schwarz-Weiß-Feld agieren auch die Herzen von My Jerusalem. Sie haben ein emphatisches Werk voller Schönheit zwischen Post- Punk-, Alternative- und düsterem Rock’n’Roll zusammengelötet. Aus jedem neuen Song strömt eine intensive Schamlosigkeit, die manchmal an die Flaming Stars – und manchmal an Dr. Feelgood erinnert. Das hier ist britisch geprägter Pubrock mit Drive und Düstertouch. Washington Square/Rough Trade This Is Your Life New York war schon immer der Nabel von großartiger Musik: Die Ramones, Kiss und Suicide stammen von hier, aber auch Blondie, die Beastie Boys oder Barry Manilow. Die drei Herren Billy McCarthy, Eric Sanderson und Drummer Rob Allen kommen übrigens aus Brooklyn. Die Augustines bieten einen mondänen Querschnitt innerhalb der Musikgeschichte des Big Apple. Sie vertonen emphatisch die Basiswünsche der Erdbevölkerung als lockeres „May You Keep Well“. Die dazugehörigen Songs verpacken sie in pathetischen Breitwand-Rock, der sowohl gut ins Tagesprogramm von 1Live passt als auch auf die Bühne der Royal Albert Hall. Caroline Void Andrea Schroeder serviert Katzenmusik, die perfekt zum endlosen Regenwetter passt. Hier der Swing, da der Blues und oben drüber eine verwegene Medusa-Stimme. Der Himmel ist schwarz, der Kaffee ist alle und die Straßen sind so grau wie am Tag, als der Brexit kam. Jede Sünde sucht sich den passenden Sound und wenn diese Platte ein Resonanzkörper wäre, könnte es eine schwarz angemalte Etagenheizung sein. Das Leben ist nicht immer fair, das mahnen Texte wie in „Endless Sea“ oder „Kingdom“. Trotzdem wärmt die Stimme dieser Sängerin, fast wie ein unendlicher Sonnentag im sibirischen Tiefland. Glitterhouse/Indigo 37

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