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April 2021 - coolibri

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SZENE In 40

SZENE In 40 Hochbeetenkönnen sich im Westgarten in Dortmunddie Pflanzen ausbreiten. Foto: Luisa Gehnen, die Urbanisten Esgrünt so grün Wo kommtunser Essenher? DieseFrage treibt immermehr um. Bewussteinkaufenist das eine –aber es lässt sich noch eine Schippe drauflegen. Nämlichdann, wenn mansie selber in dieHand nimmt. Nun nenntabernichtjeder einenGartenseinEigen. Also, wastun? Immer mehr kommenauf diegleiche Antwort: in Gemeinschaft gärtnern. Alexandra vonBraunschweig istden Spurendes Trendsgefolgt. Tomaten,die nuroptisch etwasmit Tomatenzutun haben.Brokkoli, der durchhalb Europa angekarrtwurde.Paprika,dem vielleicht Pestizidedie Schädlinge vomLeibgehaltenhaben.Esgibtviele gute Gründe,überdie HerkunftseinesGemüses zu sinnieren.Und wenn am Ende derGedanken- wieder Nahrungskettesteht,seinemGemüsebeimWachsen zusehenzukönnen, stehen denjenigen vieleGartentoreoffen. VonzweiFragensollteman sich leiten lassen,findetGudrunWalesch,wissenschaftlicheMitarbeiterin derAnstiftungimBereich Gemeinschaftsgärten: „Sondieren,was es überhauptfür Möglichkeitengibtund wasinder Näheliegt.“ Denn ansZiel, am Ende Gemüseund Kräutermit gewisserHerkunft nach Hausezunehmen, führenviele Wege.Sie unterscheiden sich in Einsatz, Erntemenge, Gemeinschaftsintensitätund auch im Budget.Bei manchen Gemeinschaftsgärtenliegt dieBetonungeherauf demletzten als aufdem 22 ersten Wort.Denndie Eigenanbauer können sich einBeetmieten, vorsich hinbrutschelnund wasreifist,mit nach Hausenehmen. Sein eigenerHerrimfremden Garten könnendie grünenSelbstversorger etwa beiden „Ackerhelden“sein. An verschiedenenStandorten vermieten dieAckerhelden aufFeldernGemüsegärtenvon etwa 40 Quadratmetern– mitallem Zipp undZapp. Wenn dieHobbygärtner:innen zu Beginnder Saisonzu„ihrem“ StückLandkommen, stecken diebiozertifiziertenGemüsesorten bereitsschon vorgepflanzt im Boden. VonAnfangMai bisEnde November kann mandann harken,zupfen,gießen, wasdas Zeug hält–und ernten.Wasser, Gartengeräteund natürlich auch vieleTipps vonden Profis gehörenmit zum Gesamtpaket. Wenn sich dieBetonungmehrauf dieGemeinschaftverlagern sollte,dann sind dieGärtendas Richtige,indenen gemeinsamgewerkeltund am Ende dieErnte geteiltwird. „Von dergroßenNachhaltigkeitsbewegungprofitie-

SZENE renauch dieGemeinschaftsgärten“, sagt JonasRunte,der beiden Urbanist:innen im Bereich„UrbanGardening“arbeitetund derdas Gemeinschaftsprojekt „Westgarten“inDortmundmitaufgebauthat.Hierkönnen sich Hobbygärtner:innen treffen, um zu fachsimplen, gemeinsamzuHarke undSchippe zugreifen undinetwa40Hochbeetendie Pflanzen zur Reifezubringen. „Wer mithilft,kannauch ernten“, erklärt Jonas Runte. „Den meistengehteszwarauch darum, leckereSachenzuernten. Aber vorallem geht es um dieGemeinschaft.“ Deshalb kommen auch allegern, um mitanzupacken. Während derSaisonist derSamstag dafür reserviert.Eswirdverabredet, werkommt. „Heute mussallerdingseherverabredetwerden, wernicht kommt“,sagt Jonas Runteund erklärt,wie GemeinschaftsgärteninZeitenvon Corona funktionieren.GemeinschaftohneGeselligkeitist schwierig–undnur halb so schön.Denndie Gemeinschaftsgärten sind einguter Raum,um aufLeute abseitsdes eigenenUmfelds zu treffen. „BeimMachenlernt mansichschnell besser kennen“, findetauch Jonas Runte. Aktivitäten wieGrillabende tundaihr übriges. Allesderzeit nurschwer umsetzbar. Und auch Neueinsteiger:innen steht dasGartentor nichtwie sonstsperrangelweit offen. Dasssoeinladende „Komm‘ vorbei undschaueesDir an“ funktioniertin Corona-Zeitennicht.Das sollte aber InteressierteanGemeinschaftsgärtennicht voneiner digitalenKontaktaufnahme abhalten. Solidarisch DieMitgliedervon „Solawi Düsseldorf“ definierenGemeinschaftnoch einmal anders.Solawi stehtfür solidarische Landwirtschaft. Und dazu gehörtnicht nur zu wissen, woherdas Gemüsekommt,sondern auch eine Verantwortung gegenüber denBäuer:innen undder Naturzu übernehmen.Finanziertwird dasProjekt über einenmonatlichen Mitgliederbeitrag. „Wir errechnenimVorfeld,welcheAusgabenwir haben,und teilen diedurch dieAnteile“, sagt Esther Schneider,die im Vorstand bei„Solawi Düsseldof“aktiv ist. In diesem Jahr liegtder monatlicheBeitrag im Durchschnitt bei 110Euro. „Aberauch hier giltdas solidarischePrinzip“, erklärtEsther Schneider.Jedes Mitglied gibtan, wievieleszahlenkann –die einen mehr,die anderenweniger.Wichtig istnur,dassamEndeder Gesamtbetrag stimmt.Dafür bekommt jede:reinen festen Anteil,wobei dieMöglichkeitbesteht,sichden Part zu teilen.Das halbiert denBeitrag –abernatürlich auch dieErnte. Angelegt isteineMitgliedschaft aufein Jahr,beginnend im April unddas Ende liegtimMärz. DieMitgliedsbeiträgewerdendazu verwendet, diePflanzenzukaufen sowiealleweiterenAnschaffungen. DenHauptbatzenmachenallerdingsdie Personalkostenaus.Denndamitauf dendreiFlächen, die„SolawiDüsseldorf“bewirtschaftet, alles wächstund gedeiht, werden Bäuer:innen angestellt.„Mitder Entkoppelungdurch denMonatsbeitrag könnenwir faire Arbeitslöhne bezahlen“, sagt EstherSchneider.Und nichtnur das: Beider solidarischen Landwirtschaft trägtnicht dieBäuer:in,sondern dieGemein- Foto: Westgarten schaft dasRisiko. Sollte aus welchen Gründenauch immer etwa dieRotkohl-Ernte ganz mickrigodergar ganz ausfallen, dann trifft dasalleund nichtnur dieBäuer:innen.Das istauch einerder Unterschiedezur Abo- Kiste.Esist aber nichtder einzige: DieEntscheidungenbei „SolawiDüsseldorf“ werden ganz basisdemokratischgetroffen.Eineder Fragen,bei denendie Mitglieder ihre Stimmeabgeben können,ist die, wasinder Saison aufden Feldernwachsen soll.Etwa70SortenanGemüseund Kräutern landenimLaufe einesJahresbei denMitgliedern aufdem Küchentisch – darunter vieleregionale oder alte Sorten. DieseArt derNahrungsbeschaffung„verändert denAlltag. Du musstdir genau überlegen, wasgekochtwird“,findetEstherSchneider.Eswird nichteingekauft,was gekochtwerdensoll, sonderneswirdgekocht, was geerntetwird. Regionaler undsaisonalergehtesnicht.„Ichhabeplötzlich ganz vieleSortenbekommen,die ichvorhernicht kannte.“Und Mengen, diedas Gemüsefachimmer gut füllen: Abhängigvon derJahreszeitkönnenetwa80Prozent desBedarfs aufdiese Weisegedeckt werden. Wenn dieNaturvon Maibis Dezember in Geberlauneist, dann fälltsovielab, dass wöchentlich geerntet werden kann.Von Januarbis etwa April laufendie Bäuer:innen undHelfer:innen alle zwei Wochen durch dieReihen, sammeln dasGemüseein undbringen es zu denVerteilpunkten, an denenjeder seinen Anteil abholen kann. „DiesesJahrhat unseinentotalen Runbeschert“, sagt Esther Schneider.„Wir musstenzum ersten Mal Leuten absagen.“Und das, obwohl neue Flächen hinzugekommen sind.Zwar ziehen immerwiederMitmacher:innennacheinem Jahr dieBilanz, dass diese Form derkurzenWege nichts für sieist.Aberdas ist nichtdie Mehrheit, so Esther Schneider:„Etwa 70 Prozent bleibendabei.“ Persönlicher Bezug ZumGesamtpaket,das fürs Weitermachen spricht, kommt bestimmt auch dieTatsache, dass plötzlich wieder einpersönlicher Bezugzuden Lebensmittelnexistiert,die hinterher aufdem Teller landen.Ein Aspekt,der vorallem Familien dazu bewegt, sich an demProjekt zu beteiligen. Werdie Pflänzchen mitpflegt, wersichGedanken macht,obesgerade zu heiß, zu kalt,zunassist,der schätzt dieTomaten oder denKohlrabi vielleicht ganz anders wert.Denntrotz desMonatsbeitragsist niemand davonbefreit,mitzuarbeiten. „Eswürde nichtfunktionieren,wennnicht allemitanpacken“, sagt Esther Schneider.„Das Projektwirdvom Ehrenamt getragen.“ Die„Biete-Runde“ fürdiese Saison istzwar gerade erst beendet, aber ein Platzauf derWarteliste istimmer frei –und vielleicht springt ja jemand ab.Anfragenaninfo@solawi-duesseldorf.de. Weitere Adressen, um sich über Projekte in seiner Nähezuinformieren: urbane-gaerten.de; www.solidarische-landwirtschaft.org; solawi-duesseldorf.de;dieurbanisten.de; www.ackerhelden.de 23

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