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April 2020 - coolibri Bochum

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THEMA Mittelstarker

THEMA Mittelstarker Beatles-Ultra FrankGoosenhat ein Buch über seine Liebezur größtenBandaller Zeiten geschrieben.ImInterview mitMax FlorianKühlemineinem Bochumer Bäckerei-Caféblendet er das Chart-Gedudel aus den Lautsprecherneinfach aus undversetzt sich wieder zurück in seineKindheit,als der Vaterden Grundstein zu seinerBegeisterunglegte. Wiefanatisch istIhr Beatles-Fantum? Ichglaube, ichbin irgendwo im Mittelfeld.Esgibtsehrviele Leute, die mehr über dieBandwissenals ich. Gerade alsich jung war,habeich mich schonsehrintensivmit ihrbeschäftigt, aber in meinem Buch sind auch einpaarFehler. Aufeinen hatmichdirekt derSchriftstellerKlaus Modick hingewiesen, demich dasProjekt quasiweg genommen habe. Er wollte eigentlich in derMusikbibliothek desVerlags Kiepenheuer&Witschüberdie Beatlesschreiben.Ich habegesagt: Wenn ichdas nichtmachenkann,bin ichleider garnicht dabei, weil ichüberandere Bands oder Musikernicht so klar erinnerbare autobiographischeAnekdoten erzählen kann.Mit den Beatleshat für mich alles angefangen. Im Buch erzählen Siedas sehr schön: Wiekamen SiezuIhren ersten Beatles-Platten? Ichhatte eine Kassette mit„Sgt.Pepper’s“drauf unddie hab ichraufund runter gehört. AlsmeinVater,der eine kleine Elektroinstallationsfirmahatte,nachFeierabendineinem altenBochumerRadiogeschäft irgendwas angeschlossen hat, da sagteer: „Gib mir kein Geld,gib mir lieber einpaar Plattenfür meinen Jungen.“ DerSatzhat sich mirtotal eingebrannt. Dadurchhabeich dasRoteAlbum bekommen,das BlaueAlbum aufblauem Vinylund „Abbey Road“als Picture-Disc. LetztesJahr habeich in Duisburg gelesenund aufder Bühneerzählt, dass mir die„AbbeyRoad“ irgendwie abhanden gekommen ist. Da istein Besucher nach derLesungschnell nach Hausegefahrenund seineFraubat mich draußen, noch aufihren Mann zu warten. Und plötzlich kamerüberdie Kreuzunggehastet, hatte „Abbey Road“als Picture-Disc in derHand–und hatsie mirgeschenkt.Was für eine irre berührende Geste. 12 „Ich wartatsächlich vonAnfang an beinharterJohn-Lennon-Fan, weilder mich immer am meistenfaszinierthat.“ Sinddie Beatlesein Thema, das dieMenschenzusammen bringt? Tatsächlich istesso, dass sieimmer eine sehr positive Ausstrahlung hatten.Die pflanztsichbis heute fort.Dukannst als jemand,der nichtganzsoradikal war wie, dieBeatles toll finden und gleichzeitig machstdudichnicht lächerlich.Dumusst deineLiebe zu ihnennicht ironisieren, weil du von„Love Me Do“bis „I Am TheWalrus“eine Bandbreite vonganzsimpler bisextremkomplizierter Musikhast–oder dieindischen Sachen vonGeorge Harrison. Hatesnicht Respekteingeflößt, dass über dieGeschichteder Beatles schonsowahnsinnigvielgeschrieben wurde? Ichhatte mehr Respektdavor,dassich im Buch zumerstenMal seit langem wieder extrem autobiographischschreiben würde –ohneFilterder dritten Person. Es stimmt zum Beispiel tatsächlich,dass ichmir eine imaginäre Freundin ausgedacht habe, weil einFreunddamals immer so mitseinerechten geprahlthat –und ichwar sogarsoblöd,meinerFreundinden NameneinesBeatles-Songs zu geben: Michelle.Eigentlich war ichaberineineMitschülerinaus derParallelklasse verliebtund daskollidierte dann irgendwann.Das Autobiographischehat eine größereEhrlichkeit undAuthentizität, dieliterarisch interessantist,aberman mussdaebenaufpassen. In denvergangenen Jahren gibt es einenTrend zumautobiographischen Schreiben, Autorenwie derNorweger Karl OveKnausgårdlassenrichtig dieHosen runter.Was istIhr Verhältnis dazu? AlsospeziellzuKnausgård mussich sagen, dass ichdas unheimlich langweiligfinde.Wennerfünfzig Seiten über einenKindergeburtstagschreibt, dann spüreich dasExistenzielle dabeinicht.Esist immer gut,wennjemand über etwasschreibt, mitdem er sich auskennt. Wenn zumBeispiel Tobi KatzeüberDepressionenschreibtund einenneuenAnsatzfindetmit viel Humor. Oder derBochumerAutor WolfgangWelt: Derhat Knausgård ja quasivorweggenommen–nurebennicht auf600 Seiten proBand. Und um malauf dieBeatles zurückzukommen: Dieextremtherapeutischen Songsvon JohnLennonauf seiner ersten Solo-LP„PlasticOno Band“kann ichnicht immer hören.

THEMA AutorFrank Goosen Foto: Ira Schwindt Mögen Sielieber denpolitischen John Lennon? Auch dasist mir manchmal zu viel undich halteesmit Goethe:„Man merkt dieAbsicht undist verstimmt.“ Waresfür Sieals 14-Jährigen einSchockals John Lennon starb? Ichwar tatsächlichvon Anfang an beinharter John- Lennon-Fan,weilder mich immer am meistenfaszinierthat.Ich binjaselbernie derRebellgewesen– eher dasEinzelkind,das im Mittelpunktstehenwollte, nichtder,der dasSystemherausgeforderthat.Ich hatteaberimmer große Sympathie fürKünstlerinnen undKünstler, dieradikaler waren. Es warein irrsinnigerSchockals er erschossen wurde –und er hattegeradeerst neue Musikheraus gebrachtnachfünf Jahren Durststrecke.Damals ist im Playboy dasletzteInterview mitihm erschienen undich habemit vierzehneinhalbmit zitternden Knien am Kioskgestanden undsocoolwie möglich versucht,zusagen: Ichhätte gern denneuenPlayboy. Heuteerzähle ichgerne:Die Nacktbilderhabeich billigendinKaufgenommen. Wieist ihrVerhältnis zu Yoko Ono? Ichfinde es unerträglich,dassnachwie vorLeute behaupten, Yoko Ono „Ich finde es unerträglich, dass nach wievor Leute behaupten, Yoko Ono hättedie Beatles auseinandergebracht.“ hätte dieBeatles auseinandergebracht.Der Grund, warum sieauseinandergegangensind, istja, dass dieKombinationzweiersoexorbitanterTalenteund Egos wieJohnLennonund Paul McCartney nureinebestimmteZeitlanggut gehenkonnte. Tresenlesen, mein Duomit Jochen Malmsheimergingauch nurachtJahre gut (lacht). In derDiskussionumYoko Ono war ganz viel Rassismus undSexismus drin:Da kommt eine Frau unddie istauch noch Asiatinund nimmt unsunser nationales Denkmal. Dasklingt,als hätten Sieein ganz anderesBuchüber dieBeatles schreibenkönnen, aber Siebleiben beim Goosen-Sound, derjeden mitnimmt. Beistärker theorielastigenTextenhabeich immereineHemmschwelle, ob ichdafür auch schlau genugbin.Aberklardenke ichauch an meineLeserschaft.Ich hätte sicher dasYoko-Ono-Thema auch vertiefen können, aber da habeich mich dann gegenentschieden –auch,weildie Bände derMusikbibliothekeherkurzausfallen. FrankGoosen„Acht Tage dieWoche –Die Beatlesund ich“: 28.4., Zakk,Düsseldorf; 29.4.,Zeitmaultheater,Bochum; 13.5., StratmannsTheater,Essen;18.5.,Pantheon,Bonn 13

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