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April 2019 - coolibri Recklinghausen, Gelsenkirchen, Herne

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KUNST D O R T M U N D

KUNST D O R T M U N D The Boys are alt-right Der HartwareMedienKunstVerein in Dortmundzeigt ab EndeMärzzwölf künstlerische Arbeiten, die sich mitRechtspopulismusimNetzbeschäftigen. Stefanie Roennekesprachvorab mitInkeArns, Direktorin des HMKV und Kuratorinder Ausstellung. JonasStaal,„SteveBannon: APropagandaRetrospective,Study“, 2018 Foto: ©Remco van Bladel and Jonas Staal 34 „Wir bauengeradedie Computer Grrrls-Ausstellungabund im Prinzip bauenwir dieComputer- Boys auf“, merkt Inke Arns Anfang März an.Fokussiertedie zuletztgezeigte Ausstellungnoch weiblich geprägteAnsätze für einoffenes und diversifiziertesInternet, versammelt„DerAlt- Right-Komplex“ Arbeiten zeitgenössischer Künstler, diesichmit Facetten desRechtspopulismus im Netz auseinandersetzen. Unddieser ist, trotzeiniger Protagonistinnen,oftmals männlich besetzt. Derumstrittene Begriff „Alt-Right“(alternative Rechte)ist seit 2016 insbesondere in denUSA einSchlagwortfür Ideologien am äußersten Rand derpolitischen Rechtengeworden –auch wenn Rassismus,Antisemitismus oder Nationalismus mitdem Begriff selbst verschleiert werdensollen. Weiter stehtAlt-Right für eine Strategie: Denn dieVerbreitung derrechtsextremen Weltanschauungfindetvornehmlich im Internet statt–mittelsHashtags, Memes, Netzwerk-Aktivismus oder Nachrichten-Websites.Wie groß derEinfluss ist, wirdbereits durchwenigeWorte deutlich,die sich in kurzer Zeit in denallgemeinenSprachgebrauch gefressen haben: „fake news“oder„alternativefacts“. Ihre Popularität oder dievon Begriffenwie „Volksverräter“(Unwort desJahres2016) zeigtauf,dassdie Strategien derAlt-Right nichtauf dieUSA begrenzt sind.„In Deutschland“, merkt InkeArnsan, „gibt es Phänomene, dievielvon derAlt-Right gelernt haben.Imletzten Bundestagswahlkampf hat dasrechtsextreme Netzwerk‚Reconquista Germanica‘massive Netzaktivtätenunternommen, dieanalogzuden Strategien derAlt-Right gesehenwerdenkönnen,wie dasmassive Posten vonHasskommentarenoderdie Förderungbestimmter Hashtags.“ Es isteine„Gewaltätigkeit vonSprache“, diedadurch zumAusdruck kommt. Arbeit zum NSU-MordinDortmund Um denunterschiedlichen Ausprägungennachzugehen, vereintdie AusstellungenebensoArbeiten,die sich mitdem amerikanischen Kontext beschäftigen wiesolche,die europäische oder spezifisch deutschePhänomeneaufgreifen. Jonas Staalerforscht mit„SteveBannon. A Propaganda Retrospective“ beispielsweisedas filmischeund politische Werk vonSteve Bannon, um dieMechanismen aktueller Propaganda zu analysieren. Derneuseeländische KünstlerSimon Dennyhinterfragt mittelsBrettspielen dieÜberzeugungenund Philosophienvon einflussreichen Silicon-Valley-Milliardären. „Wir habenauch eine Arbeit, diezum ersten Malden NSU-MordinDortmundthematisiert“, hebt Inke Arns hervor.Der Comic„Bruchlinien“von Paula DISNOVATION.ORG,„OnlineCulture Wars“, 2018-2019 Foto: ©the artist Bulling undAnneKönig fokussiert aufweibliche Figuren im NSU-Kontext. Fürden drittenTeil, der für dieAusstellungfertiggestelltwird, haben die Künstlerinnen mitGamze Kubasık, dieTochter desermordetenMehmetKubasık, gesprochen. Neben „Bruchlinien“ werden noch drei weitere Neuproduktioneninder Ausstellungzusehen sein,„weil sich Künstleraktuell sehr intensiv mitdiesenThemenauseinandersetzen“, so Arns. Wiedeutlich zeitgenössische Kunstmit derpolitischenGegenwartverknüpft sein kann,wird sich am Eröffnungsabendzeigen.Dennwenn am 29.Märzum23Uhr derbishergeplanteBrexitstattfindensollte, werden sich dieAusstellungsräumedes Hartware MedienKunstVereins gerade wieder geleerthaben.Warum dieser Zusammenhang?Als 2013 dasInternetfür die Kanzlerin noch „Neuland“war,gründete einMilliardärdie FirmaCambridgeAnalytica,die sich aufDatenanalysen spezialisierthatte. Diedamit ermöglichtenWahlmanipulationenunter anderemauf Facebook kamenimletzten US-Präsidentschaftswahlkampfzum Einsatzund haben zuvordie Brexit-Kampagnebeeinflusst. Diese neuenMittelund Zeichen, diebereits aufden Ausstellungsplakatengesuchtwerdendürfen, warenauch Motivation für dieAusstellung:„Medienkompetenzist heutewichtiger denn je. Menschen müssenverstehen,was sieumgibt undwie dieseSysteme funktionieren“. DerAlt-Right-Komplex –Über RechtspopulismusimNetz:30.3.-22.9.,Eröffnung: 29.3. (19Uhr), HMKV im Dortmunder U; hmkv.de

KUNST Schönheit, gebrochen Kunstsollnicht (mehr) in ersterLinieschön sein,sie soll fordern, Irritationen in derWahrnehmungerzeugen, Brücheinder Wirklichkeit,Utopienaufzeigen,Dinge anders und neu denken. Deshalb istesaucheineProvokation,wenn das Duisburger Lehmbruck-Museum seine Jubiläumsausstellung „Schönheit“ nennt. D U I S B U R G Anlassder Schauist der100. Todestag desberühmten Duisburger Bildhauers WilhelmLehmbruck,nachdem dasMuseumbenanntund der am 25.März1919inBerlin gestorbenist.Inder Ausstellung treffenmit Werken vonAuguste Rodinund WilhelmLehmbruck dieArbeitenzweier Meisterder Moderneaufeinanderund lassen unterschiedliche Schönheitsideale in derKunst unddie Offenheitdes Begriffserfahren. „Inden vergangenenJahrenhaben wir für unsere Ausstellungen immer programmatischeTitel wie‚Kunstund Kapital‘ gewählt“,erklärtMuseumsleiterinSökeDinkla. „Fürdie Jubiläumsschau spannen wir denBogen zurück in dieZeitder beiden Künstler, in dieBelle Époque,die Zeit derAkademien derschönenKünste.“Die Schauerzähltvom Paradigmenwechsel derkünstlerischen Avantgardeder Moderne, derenSchönheitsideal unddamitauch dasMenschenbildsichim Wechselvom 19.zum 20.Jahrhundert veränderten. Innere und äußereWirklichkeiten Mitdem beginnenden20. Jahrhundert gilt dasSchönenicht mehr unbedingt alsdas Wahre undGute, sondernals dasSchöngemachte, Schmeichelndeund daherUnwahre.Auguste Rodinfasst dieUmdeutung desSchönen so zusammen: „Hässlich in derKunst istdas,was künstlich ist; washübschoderschön zu sein versucht, ohne ausdrucksstark zu sein.“ Es istverbürgt, dass der41Jahre jüngere Wilhelm Lehmbruck 1904 eine Rodin-Ausstellung in Düsseldorfbesuchthat undes istsehrwahrscheinlich,dasserwegen ihm nach Paris gezogen ist. Durch seine Frau Anitawissenwir,dassesauch ein Treffender beiden Bildhauergab.Doch Lehmbruck eifertedem älteren, etabliertenKollegennicht bloß nach –erriebsichan seinem Werk. Seinen „SitzendenJüngling“ von1915/16 bezeichneteLehmbruck auch als „Der Denker“ undbezog sich damitdirekt aufdie berühmte Skulptur Rodins, die zwischen 1880 und 1882 entstand.Während Rodins Denker mitseinem muskulösenKörperauch etwasMonumentales, Repräsentativeshat,ist LehmbrucksfeingliedrigerJünglinginsichgekehrt,fastverzagt wirkend undverschlossen. DieSkulpturscheint denBetrachterauf Abstandhaltenzuwollen, es WilhelmLehmbruck:Betende, 1918 ist, als betreteman eineninneren Kreis,wenn manihr zu nahkommt. Im UnterschiedzuRodin entwirft Lehmbruck eine Ästhetik, dieauf einemneuenVerständnis vonProportionenberuht. SeineFormensprache istklarund beruhigt unddennoch anti-klassisch. Ihm geht es vorallem um dieDarstellung einerinneren Wirklichkeit, um dasErfasseneinesAusdrucks, demSchaffen einesneuen künstlerischen Ideals jenseits tradierter Schönheitsvorstellungen. Foto: Dejan Saric Sinnierenund Meditieren „Das Sinnieren,mit demman seineFigurenimmer zusammenbringt,bezeichne ichals Meditieren“, sagt Museumsdirektorin SökeDinkla.„Sinnieren istein Kunstwort,das füruns heutewenig Gehalt hat. Unddas Meditieren passtauch,weil Lehmbruck sich mitAnthroposophiebeschäftigt, Rudolf Steiners Aufruf zu einem gesellschaftlichen Neuanfang, einem neuenDenken unterzeichnet.“ Mitmehrals hundert Werken undLeihgabenaus nationalen undinternationalen Museen wiedem MuséeRodin oder dem Centre Pompidou in Paris präsentiertdie AusstellunghochkarätigeArbeiten, diein dieser Zusammenstellungerstmals zu sehensind. Danebengibtdie Studioausstellung„WilhelmLehmbruch:Zur Person“ Einblickeinseine private undkünstlerische Biografie. MaxFlorian Kühlem Schönheit. Lehmbruck&Rodin –Meister derModerne:bis 18.8., Lehmbruck-Museum,Duisburg;Öffnungszeiten:Di-Fr12-17 Uhr, Sa+So11-17Uhr lehmbruckmuseum.de 35

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