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April 2018 - coolibri Düsseldorf

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MUSIK

MUSIK coolibri präsentiert Asaf Avidan ist vielen erst ein Begriff, seit der Remix seines „Reckoning Song“ von Wankelmut in den deutschen Charts landete. Tatsächlich ist sein musikalisches Oeuvre aber sehr viel umfangreicher. Tossia Corman sprach mit ihm über Songwriting, Loslassen und politische Motivationen. Gefühlsbetont Musiker mit Tiefgang: Asaf Avidan Foto: Ori Ba Wie politisch bist du? In Zeiten wie diesen, findest du es wichtig, deine Stimme zu erheben? Ich bin ein politisch sehr bewusster Mensch. Wir können viele Dinge einfach nicht mehr ignorieren. Als Künstler, Kreative, liberal denkende Menschen haben wir nicht mehr das Privileg, uns zurückzulehnen und abzuwarten, dass jemand anderes seine Stimme erhebt. Wir müssen selber aktiv werden. So viel entwickelt sich gerade konträr zu dem, an was wir glauben, wofür wir stehen. Unsere Ideale. Also ja, es ist wichtig, dass gerade Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, ihre Meinung kundtun. In den letzten Jahren wurden wir bombardiert mit Nachrichten, die schreckliche Dinge zeigen, von Strömungen, die alles „Fremde“ verteufeln. Eine sehr klischeehafte Art und Weise, Menschen zu betrachten. Die einen sind die „Guten“, die anderen die „Bösen“. Und natürlich können Personen wie Trump in so einer Stimmung aufsteigen zur mächtigsten Person der Welt. Hat sich deine Musik in eine politische Richtung entwickelt? Ich bin politischer geworden, aber in einer egozentrischen Art und Weise. Zu zeigen, dass ich mit meiner Musik, mit dem, wofür ich stehe, einen ganzen Raum voll mit Menschen zusammenbringen kann –dazu, dieselben Lieder zu singen, Emotionen zu zeigen – ist eine politische Handlung. Wir bilden eine Opposition. Ich würde sagen, dass sich meine Musik sogar noch mehr in eine persönliche Richtung gewandt hat – ich beschäftige mich viel mit mir, meinen Gedanken und Gefühlen. Es ist so viel los da draußen, dass es viel zu verarbeiten gibt. Je mehr ich mich in meine emotionalen Landschaften begebe, desto besser kann ich reflektieren. 42 Wie wichtig war Musik für dich als Teenager in Israel, einem Land mit sehr bewegter Geschichte? Ich bin in den 80ern in Israel und auf Jamaika aufgewachsen, ich war fast immer draußen in der Natur – das hatte für mich heilende Kräfte. Erst als ich die erste existentielle Teenager-Krise hatte, Anfang der 90er, habe ich Musik entdeckt. Die Grunge-Szene, Nirvana, Pearl Jam, all diese Bands haben plötzlich repräsentiert, wie ich mich fühle. Irgendwann haben aber deren Erfahrungen nicht mehr ganz wiedergegeben, was ich erlebt und gedacht habe. Darum habe ich angefangen, meine eigenen Geschichten aufzuschreiben. Erinnerst du dich an den Moment, an dem du gemerkt hast, dass du nur noch Musik machen willst? Bis ich 26 war, war ich Animations-Designer, habe nie die Idee gehabt, mit Musik meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dann hat eine Trennung mein Leben durcheinander geworfen und ich wollte nur noch weg. Alles hinter mir lassen. Also habe ich wie verrückt Songs geschrieben, um irgendwie mit dem Schmerz zurechtzukommen. Ein therapeutisches Erlebnis. Daraus ist dann mein erstes Album geworden. Wie schreibst du deine Songs? Anfangs habe ich fast klischeehaft geschrieben – ich bin mitten in der Nacht aufgewacht, mit einer Idee, und habe sie sofort festgehalten. Ich hatte einen unglaublich hohen Output an Material. Aber nach einer Zeit habe ich mich selber gelangweilt. Darum habe ich entschieden, mehr System in mein Songwriting zu bringen. Ich nehme mir Auszeiten, schließe mich ein und „spucke“ alles, was sich in der Zwischenzeit angestaut hat, innerhalb von ein paar Tagen aus, bis ein neues Album fertig ist. Ein sehr komplexes und dichtes Dokument einer bestimmten Zeit. Die letzten drei Jahre war ich in einer polyamourösen Beziehung mit zwei Frauen. Das aktuelle Album habe ich beiden gewidmet – und natürlich geht es um die Komplexität der Liebe. Würdest du dir manchmal lieber mehr Zeit nehmen? Ich würde rückblickend immer alles anders machen. Ich habe eine nicht wirklich schöne Metapher dafür: Katzen bekommen Babys, ziehen sie auf, kümmern sich. Aber in dem Moment, indem sie wieder empfänglich werden für neue Babys, schicken sie die älteren weg. Die CDs sind in dem Falle meine Babys, situative Ausschnitte meines Lebens, im Moment wichtig. Aber wenn sie fertig sind , lasse ich sie gehen. Asaf Avidan: 14.4. 19:30, Zeche Bochum; asafavidanmusic.com coolibri verlost 3x2 Tickets auf coolibri.de

MUSIK coolibri präsentiert „Im Großen und Ganzen habe ich mit der Musik für mich selber angefangen.“ GRATIS IN DEN FREIZEITPARK * Olli Schulz Grundlagen der Reflexion Betrachtet man die Karriere von Olli Schulz aus der Nähe, glaubt man manchmal nicht, wie sich der ehemalige Roadie und Bandbusfahrer zu einer der lustigsten, prominentesten und nachdenklichsten Medienfiguren entwickelt hat. Er ist TV-Moderator, moderiert den Podcast „Fest & Flauschig“, dazu ist er Autor, Hobbykoch, Synchronsprecher und Schauspieler. Doch ganz vorn in seinem Leben steht nach wie vor die Musik. Das Tolle an Olli ist, dass er im Sekundentakt seine Rollen wechseln kann. War er eben noch Musikschwärmer, ist er anschließend nachdenklicher Philosoph und schlussendlich reißt er doch wieder eine zotige Krachpointe. Über seine Sozialisation sagt er: „Ich war früher in der Antifa und hab ‚Nazis raus‘ gerufen. In der alternativen Punkszene war es damals auch geil, einfach scheiße auszusehen. Aber heute findet die Rebellion anders statt. Die Leute schreiben ihre Hater-Kommentare auf YouTube oder facebook – und denken, sie wären unglaublich revolutionär. Dabei sind sie doch nur kleine Sklaven von Konzernen wie Apple oder Google. Das ist doch echt bemitleidenswert.“ Der Hamburger Sänger führt seinen Gedankengang weiter fort: „Ich hab früher andere Sachen gemacht: Ich hab Telefonzellen angezündet – aber da bin ich echt nicht stolz drauf. Oder wir sind irgendwo hingegangen, wo ein Fascho-Aufmarsch war. Da wollten wir Stress machen.“ Für die Jugendlichen von heute mag das vielleicht etwas hüftsteif wirken, aber die Motive, dass man sich von der Elterngeneration abgrenzen will, werden ja von jeder Jugendgruppe weitergetragen. „Wenn du jung bist, fehlt dir halt der Weitblick, wie dämlich das eigentlich ist, wenn du im Internet dummes Zeug postest. Da fehlt völlig die Grundlage an Reflexion – aber die kommt hoffentlich irgendwann“, sagt Olli Schulz. Bei allem, was Olli sagt und fühlt, hat er stets eine aufrichtige Einstellung – und das gilt im Besonderen für sein eigenes Songwriting: „Im Großen und Ganzen habe ich mit der Musik für mich selber angefangen. Ich war Fan von vielen Bands und wollte eigene Stücke kreieren. Dann ist der Weg immer weitergegangen.“ Aus den Chancen und Widrigkeiten, die sich in den Weg stellen, muss man das Beste machen – das weiß auch Olli Schulz. Er betont: „Ich bin froh, dass ich nicht mit einer Stimme gesegnet bin, die nur 15 Minuten Fame abgeworfen hat – und dass ich dann nicht via Dieter Bohlen in den Recall bei einer Castingshow reingekommen bin. Neil Young hat immer gesagt, ‚es ist nicht wichtig, wie gut du singen oder Gitarre spielen kannst. Es ist wichtig, was du daraus machst und was du zu sagen hast‘.“ Das ist ein Lehrsatz, der in Schulbüchern stehen sollte. Peter Hesse; Olli Schulz: 1.+2.4. Gloria, Köln; coolibri präsentiert: 3.4., Lichtburg, Essen; coolibri verlost 3x2 Tickets auf coolibri.de Foto: Jenna Dallwitz *BEIM KAUF EINER RUHR.TOPCARD VOM 01. BIS 30. APRIL / BEGRENZTE GÜLTIGKEITSZEITRÄUME RUHR.TOPCARD: FÜR TOPGRÖSSENWAHNSINNIGE 27. Blues Festival Lucky Peterson Feat. Tamara Peterson (USA) Ronnie Baker Brooks (USA) Harper & Midwest kind (USA) the Band of Heathens (USA) Jackie Venson Band (USA) Hamish Anderson & Band (AUS/USA) Michelle David & the Gospel Session (USA/NL) Altered Five Blues Band (USA) Lachy Doley Group (AUS) Patrik Jansson Band (SWE) Juzzie Smith (AUS) Jeremiah Johnson Band (USA) 19. & 20. Mai 2018 Schöppingen, Münsterland Unterstützt durch: Vorverkauf der limitierten tickets exklusiv unter: www.kulturring-schoeppingen.de präsentiert von: 43

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