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April 2018 - coolibri Dortmund

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MUSIK VON HIER

MUSIK VON HIER Musikalischer Weltenbummler: Marius Tilly (Mitte) Weltenwandler Marius Tilly bereist, zumindest musikalisch, vom Ruhrpott aus die weite Welt des Blues und Soul. Im Gepäck des Wahl-Bochumers: sein neues Album „Words from the Wilderness“. Im Fokus stehen die Texte — ernster, tiefgründiger und mit einer Prise mehr Gesellschaftskritik als auf den Vorgängern. Tossia Corman hat mit dem passionierten Bluesrocker über seine Musik gesprochen. Wie viel Wildnis steckt im Ruhrpott? In der Wildnis gibt es keine Regeln und Konventionen. Da ist es egal, ob du ein stacheliger Dornenbusch oder eine bunte Blume bist. Im Ruhrpott geht es ähnlich zu. Hier leben so viele Menschen, mit unterschiedlichen Meinungen, Kulturen und Hautfarben zusammen auf engstem Raum … und es funktioniert. Auf manche wirkt das Ruhrgebiet wie ein grauer Beton- Jungel. Wenn du mich fragst, ist es eine blühende Oase für alle, die was für Kultur, Kunst und gute Gesellschaft übrig haben. Was inspiriert dich? Ich bin natürlich selber großer Musikfan und gerade für die Musik von Musikern wie Nick Cave oder den Queens of the Stone Age konnte ich mich in letzter Zeit sehr begeistern. Manchmal reichen aber auch ein paar Wortfetzen in der S-Bahn, um mich zu einem neuen Text zu inspirieren. Du sagst, du bist gesellschaftskritischer geworden – inwiefern? Auf „Words from the Wilderness“ habe ich erstmals kritische Texte geschrieben. Gerade in Songs wie „Sold Out“, bei dem es um die Flüchtlingskrise geht, kommt das besonders zum Tragen. Mein Blick auf die Welt ist über die Jahre allgemein nachdenklicher geworden. Das spiegelt sich in den Texten des neuen Albums wider. Hast du oft den Blues? Ich habe dem Blues viel zu verdanken. Schließlich bin ich mit ihm musikalisch groß geworden und er hat mich und meine Gitarre bis nach Memphis in den U.S.A gebracht, wo wir mit den Erfindern dieser Musik eine Bühne teilen durften. Auch wenn ich inzwischen stilistisch weiter gezogen bin, wird der Blues immer ein Teil von mir bleiben. Was steht als Nächstes an? Ich freue mich auf ein Jahr voller schöner Konzerte. Neben unserer Releasetour zum neuen Album werden wir natürlich die Sommerfestivals nutzen und im Herbst wieder die Clubs unsicher machen. Words from the Wilderness: VÖ 26.1. / MIG Music 44 Foto: elix Maxim Eller (Lost Tape Productions) Future Jesus And The Electric Lucifer „Orbit Rethra“ Spacige Sounds, harte Rock-Riffs, funkige Lines – Future Jesus and the Electric Lucifer aus Düsseldorf lassen keine Wünsche offen. Schon der Album-Opener „Kamehameha“ (ob als Reminisenz an den 1819 verstorbenen ersten König von Hawaii oder die Angriffs-Technik aus Dragon Ball bleibt offen)ist eine Ansage. Das packende Riff katapultiert einen sofort ins Weltall, dahin, wo die Drei ihre Hörer offensichtlich entführen wollen. Der Titel-Song „Orbit Rethra“ kommt etwas versöhnlicher daher, fast Oldschool-Funky verbreitet er sofort Sommer-Laune. Bemerkenswert: Zu dritt schafft es die Combo, zeitweise zu klingen wie eine viel größere Band. Macht Spaß! VÖ: 16.3. Foto: Grey / Eisenach / Herrchenröther Chapter „Railway“ „One more Bottle, two more Shots“ – die ersten Worte auf der Debüt-EP der Moerser lassen stutzen. Dass der Song „Bitches“ heißt, macht es nicht besser. Erwarten einen jetzt fünf Songs, die sich um die postpubertären Fantasien von vier jungen Herren in ihren frühen Zwanzigern drehen? Glücklicherweise nicht. Schon der zweite Song „The Sky is the Limit“ zeigt, dass die 2015 gegründete Band mehr Tiefgang zu bieten hat. Solide rocken sich Chapter durch ihr Repertoire. Man kommt nicht umhin zu vermuten, dass, zumindest zeitweise, alle Bandmitglieder wohl mal große Fans der Red Hot Chili Peppers oder von Incubus waren. Bis dahin ist der Weg zwar noch ein weiter, aber die Richtung stimmt! VÖ: 26.1. Foto: Chapter Roots Rebel Sound „Agogo Riddim“ Was bringt einen besser in Sommerlaune als eine fette Portion Reggae? Eben – NICHTS! Das Soundsystem Roots Rebel Sound, 2013 gegründet von den beiden Düsseldorfer DJs Don Dadda und Rootssteppas, haut pünktlich zur ersten Frühlingsbrise einen Sampler raus. 14 Songs, 14 verschiedene Interpreten. Schon beim ersten Song will man sich die lästige Winterjacke vom Leib reißen und tanzen, als würde keiner zusehen. Anmerkung der Autorin: Irgendjemand guckt aber immer zu. Vor allem, wenn es einen auf der Straße überkommt– das aber macht überhaupt nichts aus, weil man, mit diesem Sound auf den Kopfhörern, gedanklich sowieso unter der heißen, karibischen Sonne weilt. Wunderbar! VÖ: 20.12.2017 / Roots Rebel Sound Foto: Roots Rebel Sound molass „Foramen Magnum“ Noch kein Jahr alt ist die Moerser Formation. Um Sängerin Marissa Möller formierten sich im Herbst 2017 Lambert Windges, Felix Hecker und Jan Lammert. Neo Soul und New Jazz stehen auf der Agenda. Begriffe, die in der zeitgenössischen urbanen Musik häufig fallen. Große Fußstapfen gilt es zu füllen, prägen doch Bands wie Hiatus Kaiyote, Knower, Vulfpeck oder Jamila Woods dieses Genre. molass hat sich offensichtlich deren rhythmische Strukturen, unorthodoxe Melodieführungen und ausgefeilte Textarbeit zum Vorbild genommen. Und es funktioniert. Eine kleine, aber feine Perle, die heraussticht aus dem Singer-/Songwriter-Einheitsbrei dieser Tage. VÖ: 14.4. Foto: Marissa Möller

ALBEN P R I M O R D I A L K I M W I L D E T H E B O X E R R E B E L L I O N Exile Amongst The Ruins Einen sehr eigenen Weg beschreiten Primordial aus Irland auf ihrem neuen Album. Mit keltischer Folklore, Drone-Gitarren und einer Haltung, die zwischen schwermütigem Wave und unorthodoxem Heavy Metal liegt, ist eine der originellsten Rock-Mixturen im Hier und Jetzt erschaffen worden. Sänger Alan Averill ist ein Meister darin, musikalische Energie sehr ausgesucht zu erfassen und in ein greifbares Wesen zu übertragen, welches besonders bei Live-Auftritten mitreißend rüberkommt. Wie ein getriebener Don Quijote reitet Alan hier mit seinen Stallmeistern aus dem Proberaum heraus - und kämpft gegen die virtuellen Windmühlen der Melancholie. Tolle Platte! Metal Blade/Sony Here Come The Aliens In der Giltzerwelt des Pop ist Kim Wilde in den letzten 40 Jahren reich beschenkt worden: 30 Millionen verkaufte Alben, zahlreiche Top 10- Hits und auf dem Kaminsims steht die eine oder andere Auszeichnung. Doch so richtig still war es in den letzten Jahren eigentlich auch nicht wirklich: Mit ihrer Band tourte die Grande Dame regelmäßig durch das UK und Australien, sie avancierte zur Gartenbau-Expertin und führte als Host durch eine Radioshow. Mit neuem Album im Gepäck greift die blonde Diva nun noch einmal an. Auf diesem Comeback-Album kombiniert Kim die Pop-Wurzeln aus den 1980er Jahren mit ihrer Liebe zur Rockmusik und setzt auf viel Ohrwurm-Qualität. earMusic Ghost Alive Einsteigen, bitte! Die nächste Fahrt geht in Richtung Parallelwelt. Im Wechselspiel mit hypnotischer Tonmalerei, einem guten Händchen für Pop und dem treibenden Gespür für flüssigen Positivismus agieren diese Jungs aus London. Denn am Ende sollen sich alle wieder lieb haben: Um nichts anderes geht es auf der Welt. Diese Band operiert stets mit einem guten Händchen für Melodie, die stets auf der Basis einer enormen atmosphärischen Hitdichte schrappt. Die leichte Muse wird hier mit einem großen Harmonieverständnis gepaart. Für eine tolle Hymne schmeißen sie alles in die Waagschale - und geben dafür ihr letztes Hemd. Richtig, mit diesem Album steigen sie in die Coldplay-Liga auf. Absentee Recordings/Tunecore T H E D A M N E D S C R A P S O F T A P E R O C K C I R C U S Evil Spirits The Damned waren eine der ersten Punk-Bands in London, sie sind auch eine der coolsten und beständigsten. Gegründet 1976, waren The Damned einer der Vorreiter der Londoner Punk- Szene. Ihr zweites Album produzierte Pink Floyd-Schlagzeuger Nick Mason, der damals jeden Tag mit seinem Ferrari ins Studio gefahren ist, während The Damned sich noch nicht einmal die Strassenbahntickets leisten konnten. Diesmal waren aber Flüge nach New York drin: unter der Ägide von Produzenten-Legende Tony Visconti (David Bowie, Morrissey, Philipp Boa) ist ein frisches und altersloses Album entstanden, welches die Felder Sozialkritik, Lebensfreude und Spaß gut umspannt. Spinefarm/Universal The Will To Burn Mauern zu bauen ist selten eine gute Idee, die Schmetterlinge einfach flattern zu lassen umso mehr. Diese Rockwerker lassen ihre Songs fliegen wie weiße Tauben, die sehr gelenkig durch die Luft flirren und die hiesigen Wolkenberge von Post-, Indie- und Noise-Rock streifen. Seit 2001 existiert diese Band schon und ihre Heimatstadt ist Malmö in Schweden. Melodische Garstigkeiten in eine Art Zauberwelt zu beamen, das machen diese Nerds ganz hinreißend und mit viel Raffinesse. Schwer berechenbare Gitarrenüberfälle münden in surreale Traumsequenzen und werden dann wieder von ekstatischen Lärmwänden wachgerüttelt, bis am Ende alles eine Logik ergibt. Zauberhaft! Denovali Live im Chikago Der Hamburger Musikclub „Chikago“ am Hans- Albers-Platz gehörte Ende der 70er Jahre zu den angesagtesten Live-Clubs der Hansestadt. Der ehemalige Striptease-Tempel wurde Kult, nachdem eine Band namens Rock Circus dort auftrat. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine illustre Besetzungsliste, die von den Rattles über Musiker von Udo Lindenberg bis hin zu Eric Burdon reichte. Wenn Bands in Clubs auftreten und die Musiker stetig wechseln, ist dieser Session-Charakter ein einmaliges Live-Erlebnis, welches in der Gegenwart ruhig wieder mal häufiger aufgegriffen werden könnte. Das hier ist eine coole Revue aus vergangenen Zeiten mit sehr viel Atmosphäre. Sireena 45

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