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April 2016 - coolibri Düsseldorf

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Carolin Kebekus über lustige Frauen, Rita McBride über Kunst zum Anfassen, der Record Store Day im Überblick

M U S I K V O N H I E R

M U S I K V O N H I E R Leopath Kunst und Kollaps „This is the End of Peace and Love for you“ heißt es im Song „The End“. Doch es ist weder der Industrial-Beat noch der Text, der einen schaudern lässt. Es ist die schöne Stimme von Sängerin Neila Fynn. Mit Kontrasten wie diesem spielt das zu einem Künstlerkollektiv gewachsene Bandprojekt Leopath seit Jahren. Nun wartet es mit einem Doppelalbum auf: „Collapse/Collabs“. „Der Name kommt aus der Betrachtung gesellschaftlicher und seelischer Missstände sowie der Art der Entstehung des Albums zustande“, erklärt Michael Kamp. Kamp ist Macher des Labels Deep Songs Don’t Sell und Koordinator des Projekts. „Dieser Kollaps-Gedanke ist so groß geworden, dass wir ein eigenes Album gemacht haben.“ Die Kollaborationen warten mit Interpretationen der Leopath-Tracks von lokalen und internationalen Künstlern auf: Christof Lewandowski zum Beispiel, oder die US-Amerikaner Little Annie und Joseph Keckler. Auf der anderen Seite des Albums stehen neue Tracks, einfach Cats genannt. MW Leopaths „Collapse/Collabs“ erscheint im April bei Deep Songs Don’t Sell; deepsongs.com Foto: Sofia Zwokbenkel, sofia-zwokbenkel.de „Room To Breathe“ verlangt Andy Cooper auf seiner „Free LP“. Das verwundert nicht weiter: Bereits im Opener „Bring It To Me“ haut der MC Maschinengewehrraps und rasante Funk-Samples raus. Mit der „Peanuts“-Hymne „Do The Charlie Brown“ kommt auch der Humor nicht zu kurz – ganz nach Art seiner Stamm-Combo Ugly Duckling. Ein Album geprägt von der Liebe zu Funk und Hip-Hop, stilsicher serviert vom heimischen Label Unique Records. facebook.com/acooper75 Foto: Robin NIckel Foto: Viktor Schanz Foto: Stefan Imfeld Foto: Tina Cooper Auf seinem Debüt „Zu Haus“ setzt der Akustikpunk Der Imfeld ein Zeichen gegen Trübsal. Kein Eisen zu heiß, kein Thema zu peinlich: Mit Humor à la Die Ärzte spielt er selbstironisch gegen Fitnesswahn („Jogger Dir einen“) und Schrecken am verkaterten Morgen („Hässlich“) an. Das Motto „Wer morgen noch was wissen will, soll heut nicht bleiben“ ist Grundeinstellung und Partystimmung. facebook.com/DerIMFELD Massendefekt melden sich zurück: „Echos“ lautet der Name des neuen Albums der Punk’n‘Roller aus Meerbusch, die nicht lange fackeln und mit 13 Hymnen kompromisslos nach vorne donnern. Als Bonus beeindrucken die englischsprachige Fassung von „Der Moment“ und eine nicht minder schöne Akustikversion des Hits „Der Hoffnung entgegen“ vom 2012er Album „Tangodiesel“. Ja, die Jungs können auch anders – und sogar richtig gut! massendefekt.de Eine reife Leistung legen die Düsseldorfer von Jeiel mit ihrem Debüt „One Day“ ab. Melancholisches Falsett in „Towards The Sun“, kraftvolle Shouts in „I Know You“. Sänger Philipp ist ein Geschichtenerzähler, der alle Anforderungen der Arrangements erfüllt. Harmonisch, textlich nie überbordend, in lauten wie in leisen Tönen überzeugend: perfekt inszenierter Gitarrenpop. jeielmusic.com 34

A L B E N O K K I D T E H O T E A R D O & B L I X A B A R G E L D D E F T O N E S Zwei Die Welt ist komplex und die Feinbilder sind nicht mehr schwarz und weiß, sondern 50 Shades of komplex. Ok Kid schaffen wichtige Grundlagen für die Generation Z wie Zweifel. In „Wisch & Weg“ singen sie ganz elegant, dass nur Idioten das Herz auf der Zunge tragen. Zwischen Indietronics, ernster Songwriter-Attitüde und dem Besten aus dem Hip-Hop-Gemischtwarenladen hängt auch bei „Zwei“ wieder der Himmel voller Gesten, Geigen und Gefühlen. Mit unglaublicher Nachsicht gegenüber der Gefahr operieren die drei aus Gießen mit beeindruckender Stärke. Nie konservativ, immer ohne Zeigefinger und das Hirn wird auch gefüttert. Four Music/Sony Nerissimo In seiner frühen Findungsphase war Blixa das Vorzeige-Strichmännchen mit der atonalen No- Future-Attitüde. Seit er von Alfred Biolek zum Tintenfisch-Risotto-Kochen eingeladen wurde, zeigt sich Bargeld in seiner zweiten Lebenshälfte meist als Connaisseur-Blaupause für das Feuilleton. Dazu ist er noch immer schlecht gelaunt und schwierig, aber so muss er auch sein. Wie kein Zweiter schafft der Berliner Dandy noch immer absolut hinreißende Alben zu veröffentlichen. Zwischen Filmmusik, Dadaismus und Blues-Avantgarde ist „Nerissimo“‚ angelegt. Manchmal schwermütig, aber immer faszinierend. Specula Records/Rough Trade Gore Die Richtigen können nichts falsch machen und die Falschen nichts richtig. Diese Binsenweisheit trifft auch auf die Deftones zu: ein nur mäßiges Album liefern die fünf Rocker niemals ab. Alles richtig also! Die letzten Monate hat das Quintett wie ein soziales Jahr begangen: sie suchten Themen mit einem allgemeingültigen Nenner. Mit viel Raum haben sie es geschafft (trotz aller Weltuntergangsstimmungen) an den richtigen Stellen Konfetti zu streuen. Zwischen Progrock, Pink Floyd und radiotauglichen Limp-Bizkit-Spitzen rollt „Gore“ wie ein seifiger Gummiball auf einer Kugelbahn mit vielen Serpentinen herunter. Warner M A N T A R P E T S H O P B O Y S D R A W I N G C I R C L E S Ode to the Flame Das Privileg, relativ sicher und beschaulich im Staate Metal zu leben, ist ein Trugbild. Kaum ein Genre hat solche Überraschungen parat und erfindet ständig schwermetallisch Neues. Mantar wirbeln kräftig. Sie sind ein Hamburger Duo (!), das einen derart dichten und dicken Soundwall auftürmt, als wären hier gleich 22 Metalmonster mit Gitarren, Gier und Spielfreude am Start. So wie sich die Menschen an die ewige Wiederkehr von Distortion-Riffs und Sludge-Parts gewöhnt haben, so gibt es bei diesem Album rein gar nichts, was für Kompositionen spricht, die auf gewohnten Trampelpfaden wandeln. Hier ist alles wild, geifernd und gefährlich. Nuclear Blast/Warner Super Der Song „Sad Robot World“ zeigt die Pet-Shop- Klangessenz, die in formaler Malen-nach-Zahlen-Ordnung angelegt ist, am besten. Hier treffen eine klare Plastikpop-Ästhetik und fließende Synthesizer-Flächen auf diese sehnsuchtsvolle Kopfstimme, die immer noch den hohen Schmelz aus alten „West End Girls“-Tagen in sich trägt. Die Songtitel lauten „The Pop Kids“ oder „Twenty-Something“ – doch wer die aktuellen Bandfotos von diesem Duo betrachtet, weiß genau: aus den einstigen Boys sind Pet Shop Opas geworden. Der Zahn der Zeit hat Ihnen graues Haar und viele Falten geschenkt. Die Musik ist allerdings fresh wie früher. X2 Recordings/Rough Trade Sinister Shoes Diese dreiköpfige Band aus Bonn funktioniert fast wie ein Fußballteam. Sänger Vincent Alex hat den Popstar-Appeal von einem David Beckham, er knödelt so geschickt und larmoyant die Tonleitern in der Nickelback-Liga rauf und runter – wie ein millionenschweres Ausnahmetalent. Die Songs liegen zwischen Muse-Ballade und düsterem Songwriter-Blues. Sie sind gespickt mit Tempo, Technik oder dem richtigen Glücksmoment, der zum Sieg führt. Mit viel offensiver Kompaktheit und defensiver Stabilität sind die Drawing Circles eine Mannschaft auf dem direkten Weg von der Regionalliga zu den Wettkämpfen, wo die goldene Ananas ganz oben hängt. Eat The Beat/Rough Trade 35

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